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Autorenlesung: Der Jude mit dem Hakenkreuz

09.11.2015 CJD Königswinter « zur Übersicht

Am 09.11.15 haben sich Schüler der Jahrgangsstufen 9-12 des CJD in der Aula versammelt um an der Lesung des Autors Lorenz S. Beckhardt teilzunehmen. Herr Beckhardt hat aus seinem Buch "Der Jude mit dem Hakenkreuz" vorgelesen und die außergewöhnliche Geschichte seiner Familie erzählt.

Zu Beginn der Veranstaltung ist Herr Beckhardt von Herrn Meyer und Frau Suchetzki (SLZ) vorgestellt worden; er hat Chemie studiert, war im Ausland als Redakteur tätig und arbeitet heute mit ARD, WDR und 3sat zusammen. Herr Beckhardt hat seinen Vortrag damit begonnen, von seinem Großvater Fritz zu erzählen. Dieser hat mit seiner jüdischen Familie in Hessen gelebt und ist im Ersten Weltkrieg für seine Leistungen als Reichswehr-Pilot in höchsten Maßen ausgezeichnet worden. Da sein Großvater im Ersten Weltkrieg ein Hakenkreuz als Symbol auf sein Flugzeug gemalt hatte, ist Herr Beckhardt zu dem widersprüchlichen Titel seines Buches gekommen. Anschließend hat der Autor angefangen, Stellen zu seinem Vater Kurt aus dem Buch vorzulesen. Er hat mit der ersten Erinnerung seines Vaters an die Boykotte der Nationalsozialisten gegen jüdische Geschäfte im April 1933 begonnen. Eine weitere Situation hat sich in der Schule zugetragen, als Kurt sich als einziger getraut hatte, ein Lied der Hitlerjugend vorzusingen. Im späteren Verlauf seiner Schullaufbahn wurde er gezwungen, eine jüdische Schule zu besuchen und musste schließlich 1939 nach England ausreisen. An dieser Stelle hat Herr Beckhardt ergänzt, dass Juden nach den Nürnberger Gesetzen 1935 als Menschen zweiter Klasse gegolten hätten, was sein Vater in vielen Situationen erleben musste. Ausschlaggebend für die Ausreise nach England sind dann schließlich die Pogrome im November 1938 gewesen. Trotz schlechter Erfahrungen in Deutschland ist die Familie Beckhardt nach dem Krieg zurückgekehrt und hat sich in Wiesbaden niedergelassen. Nachdem er mit den Erinnerungen seines Vaters abgeschlossen hatte, hat er begonnen seine eigene Lebensgeschichte zu erzählen. In seiner Jugend hat er in einem katholischen Internat erste Liebeserfahrungen und auch Misshandlung seitens eines Lehrers erlebt. Zum Schluss hat Herr Beckhardt noch erzählt, dass er nach der Schule den Wehrdienst verweigert hat und zu dieser Zeit kommunistisch geprägt war. Erst mit 18 Jahren hat er erfahren, dass er jüdische Vorfahren hat und ist dann später in der jüdischen Gemeinde aufgenommen worden. Aufgrund von Nachforschungen über die Geschichte seines Vaters und Großvaters für einen Film des WDR sah er sich veranlasst, ein Buch über sich und seine Familie zu schreiben. Nach seiner Lesung ist Herr Beckhardt auf Fragen der Schüler und Lehrer eingegangen und hat betont, dass heutzutage die Ereignisse der deutschen Geschichte keinen Einfluss auf das Zusammenleben von Juden und Nichtjuden haben muss.

 

von Jonas Prinz und Lukas Forster