"Manchmal fehlt den Politikern das wirtschaftliche Denken"

 


SPD-Kreistagsfraktionschef Pitt Müller gibt CJD-Schülern Einblicke in bürgernahe Kommunalpolitik
Nicht aus der ganz hohen Politik, sondern aus den kommunalen Gefilden bekam die Klasse 8e des Gymnasiums an der Jugenddorf-Christophorusschule (CJD) Besuch. Pitt Müller, SPD-Fraktionschef im Kreistag, war der Einladung des Politik-Lehrers Lukas Vreden gefolgt, um den Schülern Einblicke in die Praxis der bürgernahen Politik zu gewähren. Müller bekannte sich vor den Schülern zu seiner kapitalistischen Überzeugung, pries die Mechanismen des freien Markts - hob aber auch die wichtige Regulierungsfunktion der Politiker hervor. Eine Schülerin fragte: „Macht die Wirtschaft die Parteien nicht überflüssig?" Der Kreistagsabgeordnete glaubt das nicht: „Man kann der Wirtschaft Riegel vorschieben, Angebote gestalten, Gewerbegebiete ausweisen."
Natürlich kam die Sprache schnell auf Sparmaßnahmen. Schließlich folgte der Politiker-Besuch einer fast vierwöchigen Unterrichtsreihe zum Thema „Finanzmisere in den Kommunen". Die Schüler sprachen mit Müller über den Teufelskreis steigender Ansprüche und Ausgaben sowie rückläufiger Gewerbesteuern. Seinen eigenen Kollegen traut Müller vielfach keine rechnerischen Meisterleistungen zu. Er glaubt, dass Politiker vor allem gefallen möchten, aber nicht so sehr auf die Effizienz schauen. „Das wirtschaftliche Denken ist oft nicht vorhanden. Das geht nicht gut", pflichtete er den Wahrnehmungen der Schüler bei. Diese stellten Müller viele allgemeine, aber auch detailliertere Fragen. Die Bestechlichkeit von Mandatsträgern wurde ebenfalls erörtert. Der Sozialdemokrat forderte die Schüler auf, selbst politisch aktiv zu werden. „Man lernt viel in der Politik: reden, zuhören und Menschen kennen." Sein Appell: „Es gibt mehr Einflussmöglichkeiten, als nur Video zu spielen." Joris, 14, möchte dennoch nicht in Parteien hinein schnuppern: „Ich habe nicht das Gefühl, dass man da als junger Mensch ernstgenommen werden kann." Filip, 14, findet die Kommunalpolitik hingegen richtig interessant - und lebensnäher als die Vorgänge in Berlin oder Brüssel. „Das berührt uns doch alle, da kann man auch mitreden."
Für Lehrer Lukas Vreden war dieses Interesse an den lokalen Vorgängen ein erklärtes Unterrichtsziel: „Zunächst glauben die Schüler immer, das müsse langweilig sein. Man muss ihnen bewusst machen, dass diese Themen sie in ihren Lebensverhältnissen direkt betreffen." Der Besuch von Politiker Müller hat das noch einmal verdeutlicht. Dazu gehören die Probleme, mit denen die Politiker sich herumschlagen müssen. Wie bekommt man die kommunalen Haushalte wieder in den Griff? Das wollte schließlich der Politiker vom Nachwuchs wissen - „wo gibt es eurer Meinung nach Einsparmöglichkeiten?" Wirklich Innovatives konnten die Jugendlichen kaum vorschlagen, die Reihe der Antworten dürfte den Lesern der Lokalzeitung bekannt sein: „Schwimmbad privatisieren. Musikschule verkaufen. Bibliotheken schließen." Neuartiger scheint hingegen die Idee, in den Städten und Gemeinden stärker gegen Umweltsünder vorzugehen. Die Klasse 8e könnte sich schon bald mit einem Antrag an Bürgermeister Peter Wirtz richten, wonach solche Delinquenten hart zur Kasse gebeten werden. Peter Müller ermutigte sie: „In Frankfurt bringt das Geld. Schlagt es doch einfach vor." Mal sehen, ob sich die Klasse zu diesem Engagement hinreißen lässt.


© www.rundschau-online.de (11. Juli 2003)

 

Organisation: Lukas Vreden
Foto: Tobias Mayer