Wasser liefert Zufallszahlen

"Deutschlands klügstes Kind" ist wieder vorne

Der Rheinbreitbacher Daniel Alm hat zum zweiten Mal den ersten Preis beim Landeswettbewerb "Schüler experimentieren" gewonnen - Der 14-jährige CJD-Schüler hat bereits zwei Klassen übersprungen.
Daniel ist ein ganz normaler Junge. Gerade ist er 14 geworden, er wirkt schlacksig und etwas linkisch, wie die meisten Jungs in seinem Alter. Daniel ist genau wie seine Klassenkameraden und Freunde und da können Fragen von Erwachsenen schon einmal ein bisschen nerven. Denn für viele ist der blonde Schüler dann doch nicht so wie alle anderen. Der Schüler der Königswinterer Jugenddorf-Christophorusschule ist hochbegabt, und weil seine Eltern ihn fördern - so sehr der Sohn es selbst wünscht - hat er sich in den vergangenen Jahren dann doch schon mehrfach hervorgetan.
Zuletzt hat Daniel den Landeswettbewerb "Schüler experimentieren" - "Jugend forscht" für jüngere Schüler, bei denen es auch keinen Bundesentscheid gibt - gewonnen. Er hat im Fachgebiet Mathematik/Informatik den ersten Preis gemacht sowie den Sonderpreis Informationstechnik der Eduard-Rhein-Stiftung für sein Programm "MiniCMS" gewonnen. Damit können auch Laien einfach Websites erstellen.
Das war allerdings nicht sein erster Erfolg bei solch einem Wettbewerb. Zuvor hatte er natürlich den Regionalwettbewerb gewonnen und auch im vergangenen Jahr siegte er im Regional- und Landesentscheid. Im Jahr 2002 hatte er den Sonderpreis Umwelt mit einer Arbeit über Erdwärme gewonnen. Das Jahr davor war Daniel mit dem Programm Metrics erfolgreich, mit dem man alle möglichen Maßeinheiten umrechnen kann. "Als ich sechs Jahre alt war, habe ich mit meinem Vater zusammen am Computer gearbeitet. Seitdem programmiere ich gerne", erzählt er und weiß gar nicht wohin mit seinen langen Armen.
Zwei Klassen hat der 14-Jährige bereits übersprungen, zu Beginn der Grundschule und nach dem Wechsel aufs Gymnasium. Nun geht er in die zehnte Klasse. Obwohl er auch jetzt wieder springen könnte, lehnt Daniel dies entschieden ab, zu sehr genießt er das gute Verhältnis zu seinen 28 Klassenkameraden, die durchschnittlich ohnehin schon zwei Jahre älter sind als er. Deshalb hatte es ihn auch besonders gefreut, als neun seiner Mitschüler als "Groopies" nach Hürth fuhren, als er dort im Dezember 2001 an der RTL-Show "Deutschlands klügste Kinder" mit Sonja Zietlow teilnahm - und gewann. Gegen 700 Kinder setzte sich der damals Elfjährige durch. Wichtiger als der Preis war jedoch die Anteilnahme der Mitschüler, die sich lautstark und riesig für ihren Jüngsten gefreut haben.
Was er später einmal machen will, weiß Daniel noch nicht genau, "irgendetwas Wissenschaftliches". Ob dies im Bereich Mathe oder Informatik sein wird, ist noch nicht klar. Mit einem Studium hat er es aber noch gar nicht eilig, obwohl er in der Oberstufe bereits die Möglichkeit wahrnehmen könnte, nebenher zu studieren. "Das will ich auf gar keinen Fall", sagt er mit Bestimmtheit und verweist darauf, wie gut er sich im CJD aufgehoben fühlt. Dort besucht er jetzt schon einen Mathematik-Leistungskursus. Wenn ihm der Unterricht mal zu langweilig wird, hat er Gelegenheit, eine Facharbeit zu schreiben. In der zwölften Klasse wird er dann vier Leistungskurse wählen können.
Damit ihr Sohn nicht im Gegensatz zu vielen anderen hochbegabten Kindern in die soziale Isolation gerät, unterstützen seine Eltern seine außerschulischen Aktivitäten. So darf Daniel auf alle Grillfeste und Feiern seiner viel älteren Klassenkameraden gehen und bei der Uhrzeit drücken die Eltern schon mal ein Auge zu. Hauptsache Daniel fühlt sich wohl. Und ganz so besonders ist er seit einigen Monaten auch nicht mehr: Ein Zwölfjähriger drückt seit kurzem mit ihm die Schulbank. Extra unter seine Fittiche genommen hat er den Jüngeren nicht, schließlich ist der ja nicht anders als alle anderen auch. "Wir verstehen uns halt einfach gut", sagt Daniel. Ganz normal eben.
© Lenchen Stegmann www.general-anzeiger-bonn.de (16.06.2004)
12-Jähriger gewann beim NRW-Wettbewerb „Schüler experimentieren“
Beim 12. nordrhein-westfälischen Landeswettbewerb „Schüler experimentieren" gewann der Rheinbreitbacher Daniel Alm von der Jugenddorf-Christophorusschule Königswinter im Bereich Mathematik und Informatik den ersten Preis. Der Wettbewerb, an dem sich insgesamt 94 Schüler beteiligten, stand unter dem Motto „Geträumt. Gedacht. Gemacht."
So ähnlich verlief auch das Forschungsprojekt des 12-Jährigen. In einer Computerzeitschrift hatte Daniel gelesen, dass es jemandem gelungen war, echte Zufallszahlen zu erzeugen „Durch diesen Artikel kam ich auf die Idee. dass Strömungen im Wasser auch zufällig sind", erklärte der junge Forscher, wenn diese Strömungen in Zahlen umgewandelt werden, müssten also ebenfalls echte Zufallszahlen entstehen.
Wichtig sind diese so genannten echten Zufallszahlen für einige Aufgaben von Computern, wie beispielsweise bei der Daten Verschlüsselung. Zwar gibt es hierfür Zufallsgeneratoren, doch diese gehen meistens von einer Basiszahl aus, wodurch sich die Zufallszahl leicht rekonstruieren lässt. Echte Zufallszahlen müssen aus „chaotischen Vorgängen", zum Beispiel dem Werfen einer Münze, entstehen ~ oder eben durch die Strömung von Wasser.
Mit einer Kamera, einem Wasserbecken und einer Pumpe legte Daniel los. Zunächst wollte er die Strömung des Wassers durch Glitter zeigen. Doch der Glitter war nur schlecht sichtbar und verstopfte auch noch die Pumpe. Daniel ließ sich aber nicht entmutigen. Nach weiteren Versuchen nahm er schließlich einfach die Wellenbewegung auf dem Wasser auf. Die Bilddaten der Kamera wurden dann vom Computer in eine Zahlenkombination umgewandelt. Auch hier gab es noch Probleme sowohl mit der Kamera als auch mit der Umwandlung der Bilddaten.
Doch mit Hilfe seines Vaters schaffte es Daniel schließlich, Zufallszahlen zu erfassen. Für den 12-Jährigen ein großer Erfolg, der mit dem ersten Preis beim Wettbewerb belohnt wurde.

© www.rundschau-online.de (14. Mai 2003, BB)