Zeitzeugenvortrag" von Willi Klapper in der CJD- Schule

Normalbürger-Perspektive


"Der fliegende Ballast vom Ministerium" erinnerte sich augenzwinkernd an seine Jugend. Er war schließlich auch einmal "ein junger Mann im Frühling", der während seines USA-Studienaufenthaltes nicht nur kurzzeitig die Mitgliedskarte des Repräsentantenhauses besaß, sondern auch interessante Dinge erfuhr wie zum Beispiel, dass die Winkeladvokaten jenseits des großen Teiches "Philadelphia Lawyer" heißen. Anekdoten humorvoll, lebendig und pointiert zu erzählen- das ist eine von Willi Klappers Stärken. Ein wertvolles Talent, das der 84- Jährige bei seinem Zeitzeugenvortrag gestern Morgen in der Jugenddorf- Christophorusschule voll ausnutzte. Ein gutes Gedächtnis und Originaldokumente halfen dem Ex- Piloten der Luftwaffe von Wehrmacht und Bundeswehr, den Schülern des Geschichts- und Leistungskurses der Klasse 12 Stationen der Deutschen Geschichte vom Ende des Ersten Weltkrieges bis heute näherzubringen. Geboren im Oktober 1916 in Essen, lebt Willi Klapper mit seiner Familie seit 1970 in Rhöndorf. Den Kontakt zu Geschichtslehrer Dr. Johannes Heide nahm Klapper selbst auf, um "den Jugendlichen die neuere Geschichte aus der Perspektive eines Normalbürgers zu verdeutlichen". Gestern Morgen ließ Willi Klapper dann 80 Jahre deutscher Vergangenheit- von der Weimarer Republik über die Nazi-Herrschaft, den zweiten Weltkrieg und Nachkriegsdeutschland bis hin zur Wiedervereinigung- aus seiner persönlichen Sicht Revue passieren. Er stellte seine Biographie vor dem jeweiligen politischen Hintergrund dar und veranschaulichte unterhaltsam und sachkundig historische Zusammenhänge. 1932 trat Willi Klapper dem Deutschen Luftsportverband (DLV) bei, weil er unbedingt Pilot werden wollte. Zwei Jahre später absolvierte der Jungflieger seinen ersten DLV-Luftfahrtlehrgang, 1938 bekam der Gefreite seine Urkunde als Flugzeugführer. Bis Kriegsende 1945 flog er für die Wehrmacht Transportflüge quer durch Europa. Nach dem Krieg arbeitete er zunächst als Dolmetscher und eröffnete im niederbayrischen Straubing ein Reisebüro, dann verbrachte er 1951 zwei Semester in den USA. Von 1956 bis 1975 arbeitete Willi Klapper beim Verteidigungsministerium als Referatsleiter für die rüstungswirtschaftliche Kooperation mit den USA und Kanada. Zwischen 1964 und 1967 arbeitete er als Verbindungsoffizier F 104 für Deutschland, die Niederlande, Belgien und Italien in den USA.


Bonner Rundschau, 21.12.2000