| aus Labyrinth Sonderheft ELITE, April 98 |
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Rückblick und Ausblick zur Hochbegabtenförderung anläßlich
des 20. Geburtstages der DGhK
OStD i.E. Hans-Joachim Gardyan,
CJD Jugenddorf-Christophorusschule Königswinter
Runden Geburtstagen ist es eigen, das Bedürfnis nach
einer Rückschau auf die vergangenen Jahre zu wecken. Als ich vor
über dreizehn Jahren zusammen mit zwei Schülern des Spitzenbegabtenzweiges
der Jugenddorf-Christophorusschule Braunschweig zu einer Podiumsdiskussion
des SFB eingeladen wurde, trug die Sendung den bezeichnenden Titel
"Eliteförderung - auf wessen Kosten?"
Die beiden Schüler schlugen sich wacker. Die Tendenz der Live-Sendung
war jedoch eindeutig: Bei meinen Versuchen, als damaliger Koordinator
des Spitzenbegabtenzweiges in Braunschweig etwas zum Thema zu sagen,
drehte man einfach das Mikrophon ab. Zu groß waren die Ängste,
daß demokratische und soziale Errungenschaften der Gesellschaft
gefährdet sein könnten. Zu wenig kompetent war die "Expertenrunde",
um zu erkennen, daß bereits der Titel der Sendung suggestiv vom
eigentlichen Problem ablenkte.
Zweifellos ist auch heute noch nachvollziehbar, daß
der Begriff "Elite" aufgrund der Pervertierung der Pädagogik
und eben dieses Elitebegriffs im Dritten Reich auf Vorbehalte treffen
kann. Als Mitglied der DGhK und als Lehrer einer Schule, die erstmals
in Deutschland tatsächlich Hochbegabte förderte, erlebte ich
damals den Umgang mit dem Elitebegriff ganz anders: keinen Differenzierungsversuch
duldend, trat die Alibifunktion dieses einseitig geschichtsträchtigen
Konnotats klar zutage, um jede Auseinandersetzung mit dem Problem des
hochbegabten Kindes, geschweige denn diesbezügliche Lösungsversuche
im Keime zu ersticken.
- Vor dem Hintergrund der ernsthaften Bemühungen des Christlichen
Jugenddorfwerkes Deutschlands (CJD), von der Problemlage des hochbegabten
jungen Menschen ausgehend ein schulisches Förderkonzept zu
erproben, erschien die Akzentuierung "Eliteförderung -
auf wessen Kosten?" als infame Unterstellung und stellte zweifellos
die Tatsachen auf den Kopf. In einer frühen Schrift des CJD
zur pädagogischen Konzeption der Spitzenbegabtenförderung
in Braunschweig (1981) wird festgestellt "Die Förderung
der Spitzenbegabten durch das CJD entspringt der Grundüberzeugung,
daß die Vielzahl unterschiedlicher Begabungen und ihrer jeweiligen
Probleme eine entsprechende Vielfalt von pädagogischer Zuwendung
und schulischer Betreuung erfordert, damit jeder junge Mensch
die bestmögliche Entfaltung seiner Persönlichkeit finden
kann". Kein Wort von elitärer Heraushebung und Bevorzugung
einer bestimmten Gruppe "auf Kosten anderer", eher ein
Plädoyer für eine "Individualisierung der Pädagogik".
Da auch in den frühen achtziger Jahren die pädagogische
Grundforderung einer individuellen Förderung des Kindes durchaus
unbestritten war, - man denke nur an die gottlob zahlreichen Förderprogramme
für junge Menschen mit Defiziten und Schwächen - , zeigt
sich hier das eigentliche Problem in aller Deutlichkeit: Das Recht
des Kindes auf eine die individuellen Begabungen und Schwächen
berücksichtigende Förderung wurde dem hochbegabten Kind
nicht zugestanden. Die Ängste vor elitärer Heraushebung
kaschierten einen klaren Verstoß gegen die Chancengerechtigkeit!
- Dies geschah einmal aufgrund des fatalen Vorurteils, den hochbegabten
Schüler als den hochleistungsfähigen Schüler zu identifizieren,
der als sui generis Bevorzugter keinerlei Förderung benötigte.
Aus marxistischer Sicht gar war die Annahme von genetisch bedingten
hohen Begabungen äußerst suspekt und das zweifellos wichtige
gesellschaftliche Umfeld derart dominant, daß eine individuelle
Förderung von Hochbegabten als kontraproduktiv zum Aufbau der
demokratischen allseitig bildenden und die Klassenunterschiede aufhebende
Gesamtschule gesehen wurde.(1) Offensichtlich neu war daher, den
Begriff der allgemeinen Hochbegabung im Kontext von möglichen
Problemen und Schwierigkeiten des Individuums zu stellen. Die übliche
Art pädagogischer Anstrengungen seitens der Schule, auf unterschiedliche
Begabungen angemessen zu reagieren, konnte hier nicht greifen, da
diese besonderen Probleme und Schwierigkeiten nicht einmal wahrgenommen
wurden.
- Schließlich spielten auch mehr oder weniger bewußte
Ängste eine Rolle, Hochbegabtenförderung schaffe elitäres
Bewußtsein und behindere die demokratische Weiterentwicklung
der Gesellschaft. Diese Angst vor einer möglichen Korrelation
zwischen anwachsender Intelligenz und steigendem elitären Bewußtsein
habe ich nie verstanden. Es ist eher leicht nachzuweisen, daß
arrogantes und elitäres Bewußtsein nicht unbedingt mit
einer hohen Begabung gekoppelt sein muß. Da dieser Vorwurf
häufig aus dem linken Spektrum zu hören war, zitierte
ich in der damaligen Zeit gern auf Diskussionen Äußerungen
Iring Fetschers, der in der Frankfurter Rundschau am 9. November
1985 schrieb:
- "Die gegenwärtig geführte Diskussion um Elite halte
ich übrigens für völlig deplaziert. Weder die Demokraten
noch die Sozialisten haben je behauptet, daß alle Menschen
gleich sind. Sie haben nur verlangt, daß alle Menschen ihre
unterschiedlichen Begabungen gleichermaßen entwickeln können.
Was mich an dieser Diskussion aufregt, ist, daß so getan wird,
als ob die Begabungspyramide irgend etwas zu tun hätte mit
der sozialen Hierarchie einer Gesellschaft - als ob an der Spitze
die Genialsten und unten die Dooflinge wären."
- Daß an der Fragestellung "Eliteförderung - auf
wessen Kosten?" so ziemlich alles schief ist, belegt noch ein
zweites. Hier wird suggeriert, eine effektive Förderung von
Hochbegabten gehe automatisch auf Kosten anderer Schüler. Ich
habe immer wieder gern den Beweis erbracht, daß eine Schule,
die sich engagiert mit den Fragen der Hochbegabtenpädagogik
auseinandersetzt, feststellen darf, wie sich die Hochbegabtenförderung
bereichernd und gewinnbringend für die ganze Schule, für
alle Schüler erweist. (2)
- Bis heute ist die etwas harmlosere Variante immer noch zu hören:
Natürlich sei man für Hochbegabtenförderung, aber
so lange die Klassen so groß seien, so lange noch zweifellos
notwendige Förderungen anderer Gruppierungen nicht finanziert
werden können, solle man doch mit der Hochbegabtenförderung
noch etwas warten.
- Auch drückt der unselige Titel die Angst aus, die heute noch
in so manchem Lehrer steckt, hier würde Begabtenförderung
zur Reduzierung der Breitenförderung führen. Ein solches
gegeneinander Ausspielen ist unseriös. Vielmehr verschafft
erst die Förderung von Randgruppen - seien es die Hilfsangebote
für weniger Begabte oder die Fördermaßnahmen für
Hochbegabte - dem Begriff Breitenförderung eine humane Dimension.
Gerade das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands CJD hat in seiner
Geschichte deutlich gemacht, daß beide Begriffe - Breitenförderung
wie Randgruppenförderung - eng zusammen gehören. Die anspruchsvolle
Richtline des CJD "Keiner darf verloren gehen" führte
zu einer Fülle von Modellversuchen, Projekten und Fördermaßnahmen,
die so manchem jungen Menschen in seiner persönlichen Situation
in der beruflichen und schulischen Ausbildung die entscheidende
Hilfe und Orientierung ermöglichten. Reizvoll wäre an
dieser Stelle der Hinweis auf die gesellschaftliche Akzeptanz der
Sportförderung, obwohl hier meiner Meinung nach im Detail bisweilen
auch kritische Stimmen ihre Berechtigung haben.
Einige Monate später mußte die erstaunte internationale
Fachwelt auf der "sechsten Weltkonferenz über hochbegabte
und talentierte Kinder" in Hamburg sich vom damaligen Schulsenator
Grolle sagen lassen, wie überflüssig es sei, sich Gedanken
zur Identifizierung und Förderung von hochbegabten jungen Menschen
zu machen, da ja Deutschland längst Hochbegabte fördere. Als
Beispiel führte er die Schultheaterwoche und den Schachwettbewerb
der Hansestadt an. Der akademische Nachwuchs des Fachbereichs Pädagogik
demonstrierte indes lauthals gegen die Weltkonferenz, da die angehenden
Lehrer und Erzieher in der Förderung von Hochbegabten eine "Perversion
der Pädagogik" vermuteten.
Viele Jahre sind seitdem ins Land gegangen, und ich glaube
nicht, daß heutzutage derartig dumme Parolen oder voreingenommene
Fragesstellungen eine Chance hätten. Dennoch habe ich an die "alten
Zeiten" erinnert, weil ich glaube, daß viele der von mir
beschriebenen Ängste, Mißverständnisse und Vorurteile
nach wie vor am Leben sind, wenn es gilt, die theoretische Ebene zu
verlassen und praktisch etwas für das hochbegabte Kind zu tun.
Doch - Gott sei Dank - gibt es auch viel Erfreuliches
zu berichten.
- Die Mitgliedschaft der "Deutsche Gesellschaft für das
hochbegabte Kind" hat sich deutlich vergrößert.
Dadurch ist es zu einer beeindruckenden Vielfalt unterschiedlicher
Förderprogramme und Initiativen seitens der engagierten Elternschaft
gekommen. Zwar kann die DGhK nicht direkt die schulische Wirklichkeit
des hochbegabten Kindes verändern, es ist ihr aber als hohes
Verdienst anzurechnen, daß es ihr immer wieder gelang, die
Frage der Hochbegabtenförderung in die Politik und Gesellschaft
zu tragen und somit zahlreiche positive Anstöße auch
für Schulen zu geben. Es ist ihr Verdienst, daß heutzutage
die Diskussion um Förderprogramme für das hochbegabte
Kind offener und positiver geführt wird als früher. Ihr
Hauptverdienst liegt in der Tatsache begründet, daß sie
seit zwanzig Jahren durch das große Engagement der beteiligten
Eltern und Pädagogen viele hochbegabte Kinder erfahren ließ,
daß sie mit ihren berechtigten Forderungen und mit ihren persönlichen
Problemen nicht allein auf der Welt sind. Dadurch wurden die jungen
Persönlichkeiten nachhaltig gestärkt. Eine ganze Gruppe
von Kindern und Jugendlichen fühlte sich in ihrer Befindlichkeit
und Interessenlage durch andere bestätigt. Ich halte es für
den richtigen Weg, daß ein Regionalverband und eine Schule
miteinander kooperieren, ohne die Selbständigkeit der einen
oder der anderen Seite aufzugeben. So führt der Regionalverband
Bonn mit großem Erfolg in der Jugenddorf-Christophorusschule
Königswinter an Wochenenden, wenn der normale Schulalltag ruht,
ein umfangreiches Förder- und Bildungsprogramm für hochbegabte
Kinder der Region durch. Erfreulich zahlreiche weitere Enrichment-Programme
sind bundesweit installiert und fördern die unterschiedlichsten
Interessen.
- Auch das bewährte Förderprinzip Akzeleration hat sich
erheblich ausgeweitet. Das Springen hochbegabter Kindern wurde -
Gott sei Dank - erleichtert. Allerdings bleibt die Gretchenfrage
bestehen. Wie geht die neue Gruppe von Schülern, wie gehen
die neuen Lehrer mit dem jungen Springerkind um? Denn nur sie haben
es in der Hand, daß das Springen ein erfolgreiches Mittel
der Begabtenförderung bleibt und das Springerkind nicht Schiffbruch
im sozialen Bereich erleidet. Auch andere Akzelerationsprogramme
wie D-Zugklassen bzw. die jüngste Variante, daß inzwischen
jede Schule beantragen kann, eine Klasse in acht statt in neun Jahren
zum Abitur zu führen, verbreiten sich stärker und sind
als Mittel der Hochbegabtenförderung anerkannt. Natürlich
muß beachtet werden, daß hier der Beifall nicht von
der falschen Seite kommt, denn acht Jahre Schule sind natürlich
kostengünstiger als neun.
- Das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands verfügt mit seiner
Jugenddorf-Christophorusschule Braunschweig über die mit Abstand
längsten Erfahrungen mit einem weitgehenden unterrichtlichen
Konzept zur Förderung allgemein hochbegabter Kinder und Jugendlicher.
Auch die Jugenddorf-Christophorusschulen in Rostock und in Königswinter
sind in besonderer Weise dem hochbegabten Kind verpflichtet.
Ich möchte mich im folgenden auf die Konzeption der
Hochbegabtenförderung an der Jugenddorf-Christophorusschule Königswinter
in gebotener Kürze beschränken, die als jüngste Christophorusschule
(gegründet 1992) 1994 begann, eine integrative Förderung hochbegabter
Kinder der Erprobungsstufe (Klasse 5 und 6) in die Tat umzusetzen.
Die langjährige Erfahrung hat gezeigt, welche außergewöhnlichen
Fähigkeiten, aber auch Nöte und Schwierigkeiten das Leben
eines hochbegabten Kindes prägen. Daher kann in unserem diakonischen
Ansatz Hochbegabtenförderung nicht als oberflächliches Training
verstanden werden, "schlaue Kinder noch schlauer zu machen".
Was not tut, ist die allseitige Festigung und Förderung einer potentiell
gefährdeten jungen Persönlichkeit. Diese Vorstellung, die
sich aus unserem christlichen Bild vom jungen Menschen herleitet, versuchen
wir konzeptionell umzusetzen. In unserem Konzept, das von in der schulischen
Hochbegabtenförderung langjährig erfahrenen Kollegen ebenso
wie von neuen jungen Kollegen ständig weiterentwickelt wird, setzen
wir die bewährten Förderprinzipien "Akzeleration"
und "Enrichment" ein und arbeiten an einer curricularen Umgestaltung
sowie an organisatorischen Veränderungen des Unterrichts.
Konzeptionell kann die pädagogische Zuwendung zum
hochbegabten Kind unter drei Blickwinkeln, die im engen Zusammenhang
stehen, gesehen werden.
1. Perspektive: die herausragende Kognition
Die Andersartigkeit im Denken allgemein hochbegabter Kinder, wie
sie uns durch gravierende Unterschiede im Lernverhalten entgegentritt,
muß durch Veränderungen des Unterrichts angemessen berücksichtigt
werden. Dadurch steigt erfahrungsgemäß die Motivation und
die Kinder fühlen sich verstanden und angenommen.
2. Perspektive: Komplexe Wirklichkeitskontexte im
Schulalltag
Auf dieser Ebene kommen soziale Schlüsselqualifikationen
oder Schlüsseltugenden zum Tragen, die besonders für das
hochbegabte Kind wichtig sind, das in der Schule ein erfülltes
Zusammenleben mit nicht hochbegabten Kindern zu organisieren hat.
Die gegenseitige Akzeptanz und Annahme, die in Königswinter -
der Jugenddorf-Christophorusschule mit einem Gymnasium und einer Realschule
"unter einem Dach" konzeptionell generell gefordert ist,
soll auch in einer gemischten Klassengemeinschaft erprobt werden Grundsätzlich
erhält unter dieser 2. Perspektive das für alle Schüler
der Christophorusschule geltende Erziehungsziel der Persönlichkeitsbildung
besonderes Gewicht. Die darin enthaltene religiöse und soziale
Dimension und die nicht zu vernachlässigende emotionale Komponente
sind unverzichtbar für eine erfolgreiche ganzheitliche Hochbegabtenförderung.
Daraus folgt die
3. Perspektive: Gesellschaftliche Anforderungen
müssen in einem Förderkonzept für allgemein Hochbegabte
derart berücksichtigt werden, daß bereits in der Schule
eingeübt wird, was jeden Schulabsolventen in seinem späteren
Leben erwartet.. Gerade hochbegabte Schüler, die es gelernt haben,
sich erfolgreich mit ihrem gesellschaftlichen Umfeld auseinanderzusetzen,
bestehen in dieser Gesellschaft und sind umgekehrt eine unverzichtbare
Bereicherung eben dieser Gesellschaft.
Alle drei Perspektiven müssen angemessen Berücksichtigung
finden und können dazu dienen, ein für Hochbegabte hohes Anforderungsprofil
zu entwickeln, das ihren herausragenden Fähigkeiten entspricht,
mögliche psychische und/oder soziale Defizite auffängt und
ihnen gleichzeitig gesellschaftlich verantwortliches Handeln im Sinne
unseres christlichen Menschenbildes ermöglicht.
Dabei ist die besondere Zielsetzung in der Jugenddorf-Christophorusschule
Königswinter:
- hochbegabte Kinder ab der Erprobungsstufe (Jahrgangsstufe 5 und
6) gezielt zu fördern,
- keine Spezialklasse zu errichten, sondern ein stärker integratives
Modell zu erproben,
- Hochbegabtenförderung unter Rahmenbedingungen, wie sie in
etwa vergleichbar an öffentlichen Schulen bestehen, durchzuführen.
Das Förderprinzip sieht pro Jahr eine sogenannte
Leistungsklasse, in der sehr leistungsfähige Gymnasiasten und allgemein
hochbegabte Kinder gemeinsam unterrichtet werden, vor. Als Beispiel
folgt eine Konzeption für die 5./6. Jahrgangsstufe:
1. Äußere Differenzierung mit speziell auf
die Bedürfnisse hochbegabter Kinder abgestimmten Lerninhalten sowie
methodisch-didaktischen Veränderungen in Englisch und Mathematik.
2. Binnendifferenzierter Unterricht in Deutsch, fachübergreifende
Ansätze in den Fächern Erdkunde, Geschichte Biologie, Physik,
Musik, Religion. Durch eingebaute Projektphasen (Advanced learning)
und durch eine Orientierung am gemeinsamen "Produkt" ist aus
unserer Sicht das ansonsten problematische gemeinsame Lernen von allgemein
hochbegabten Kindern und sehr leistungsfähigen Gymnasiasten erfolgversprechend.
Die Möglichkeit der Freiarbeit ist sowohl in den
Kernfächern wie in den Lernfeldern prinzipiell vorgesehen, da die
Schule Arbeitsmöglichkeiten in der großen Schulbibliothek
und im Informatikraum für Kinder bereithält.
3. Gemeinsamer Unterricht in Kunst und Sport.
4. Schulorganisatorische Veränderungen im Jahresgang
oder Wochenplan ermöglichen Projekte sowie Phasen des "Lernen
Lernens" und des sozialen Miteinanders, um das Gemeinschaftsgefühl
der Klassengemeinschaft zu stärken.
- Im außerunterrichtlichen Bildungsbereich kann das hochbegabte
Kind im Rahmen der über 80 Arbeitsgemeinschaften Themen wählen,
die ihm besonders liegen. Wir empfehlen beispielsweise zur Zeit
AGs wie "Linguistik für Kinder", "English-Club",
Philosophie für Kinder, Mathematik, "Jugend forscht",
"Schach", "Informatik" und vieles mehr.Musikschule:
Im Rahmen der Ganztagsbetreuung besteht für alle Schüler
die Möglichkeit, eines von über fünfzehn Instrumenten
zu erlernen oder am Gesangsunterricht und der Stimmbildung teilzunehmen.
- Jugenddorfprogramm: Schülerprojekte und -präsentationen
werden ergänzt durch Fachvorträge, Konzerte und vielfältige
Veranstaltungen.
- Durch ein besonderes unterrichtsorganisatorisches Konzept können
musikalisch hochbegabte Kinder und Jugendliche ihren zum Teil sehr
zeitaufwendigen Studien und/oder Konzertaktivitäten nachgehen,
ohne dadurch ihre schulische Allgemeinbildung zu gefährden.
- Ab der Klasse 9 können Schüler an unserer schuleigenen
Übungsfirma "Carpe Diem" mitarbeiten, die mit über
300 in- und ausländischen Übungsfirmen Handelsbeziehungen
unterhält.
Das schulische Klima ist wichtig. Allen Schülern
des Gymnasiums und der Realschule bieten wir verstärkt Möglichkeiten,
Leistungen unterschiedlichster Art zu erbringen, die alle für uns
in gleicher Weise wertvoll sind. Unsere Pädagogen ermuntern die
Schüler zur Leistung und erziehen sie zur Anerkennung der Leistung
anderer Schüler.
Vielleicht unterhalten sich Experten eines Tages zum Thema:
"Mangelnde Hochbegabtenförderung - auf wessen Kosten?"
Die Antwort wäre einfach: auf unser aller Kosten.
Unser Staat wäre ärmer ohne Förderung seines begabtesten
Nachwuchses, man mag ihn Elite nennen oder nicht, unsere Schulen wären
ärmer ohne Fördermaßnahmen für hochbegabte Schüler.
Vor allem aber wissen wir im CJD aus Erfahrung: Mangelnde Hochbegabtenförderung
geht auf Kosten junger Menschen, die in der Entwicklung ihrer einzigartigen
Persönlichkeit im Stich gelassen werden. Nehmen wir die Forderung
nach Chancengerechtigkeit in unserem Bildungssystem ernst!
Anmerkungen:
Richard Lauenstein: "Zur Kritik der konservativen Begabungsideologie"
aus: Manfred Heitzer u.a. Hochbegabte in unserem Bildungssystem, Int.
Arbeitskreis Sonnenberg, Wolfenbüttel 1984, S. 180ff
Hans-Joachim Gardyan: "Ein Akt auf dem Drahtseil" aus: Harald
Wagner: Begabung und Leistung in der Schule, Bock, Bad Honnef 1995,
S.118ff