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Philipp Wollermann von der Jugenddorf-Christophorus-Schule
entwickelt eine Software für das Deutsche Zentrum für Luft-
und Raumfahrt. Der 17-Jährige besucht eine Klasse für hoch Begabte
Wie verhalten sich wohl Pantoffeltierchen bei einem Vielfachen der Erdschwerkraft?
Eine dem Thema angemessen schwer zu beantwortende Frage, der man im Deutschen
Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Porz-Wahnheide mit Hilfe
von Zentrifugen nachgeht. Gleichzeitig werden die Einzeller dabei in einer
speziellen Apparatur unter dem Mikroskop untersucht. Das Verfahren wiederum
interessiert auch andere Wissenschaftler außerhalb der DLR, was
die Frage auswarf, wie sich die Labortechnik auch im Internet nutzen lässt
-und genau dabei half ein 17 Jahre alter Schüler der Jugenddorf-Christophorus-Schule
in Königswinter.
Philipp Wollermann aus Vinxel
schrieb eine Software für den Datenaustausch, mit der sich der Versuch
von einem internetfähigen Rechner aus steuern lässt. Remote
access to Life Sciences Experiments on ISS or in Ground-Based Facilities"
heißt das Verfahren bei der DLR, übersetzt etwa Fernzugriff
auf Experimente an Organismen auf der Internationalen Raumstation oder
in bodenbasierten Einrichtungen". Dank der Software Marke Wollermann
lassen sich per Fernbedienung das Mikroskop, die Geschwindigkeit der Zentrifuge
und die Bildbearbeitung steuern. In drei Wochen entwickelte der Schüler
das Programm, während einer so genannten Vertiefungsphase, in der
Jugenddorf-Christophorus-Schüler wissenschaftliche Einrichtungen
kennen lernen können. Dazu pflegt die Privatschule auch enge Kontakte
zur Bonner Universität, zum Fraunhofer-Institut und zur Fachhochschule
Bonn/Rhein-Sieg.
Daraus ist mehr geworden, als wir erwartet hatten", sagt Paul
Eßer, der als zuständiger Projekt-Ingenieur Wollermann beim
DLR betreute. Er sieht großes Potenzial für die Anwendung.
Das ist nur ein Beispiel für ein Gerät, das sich so steuern
ließe", sagt Eßer. Das DLR stellt das Programm Forschungspartnern
unentgeltlich zur Verfügung.
Im Prinzip wären auch kommerzielle Anwendungen denkbar, wenn sich
der Erfolg herumspricht und beispielsweise Labore aus der Ferne Experimente
über das Internet in Auftrag geben und verfolgen wollen. Dann wäre
das Ganze schon ein Fall für die Abteilung Technologie-Transfer der
DLR, die sich mit der Verwertung von Entwicklungen beschäftigt. Philipp
fasst momentan aber noch keine Karriere als Jungunternehmer ins Auge,
sondern näher liegende Ziele, das Abitur und anschließend vielleicht
ein Informatik-Studium. Netzwerke haben mich schon immer interessiert",
sagt Wollermann. Bei der DLR habe ihn gereizt, das Ganze perfekt
umzusetzen." Eßer: An dem Problem haben sich schon FH-Studenten
die Zähne ausgebissen."
Wollermann besucht eine Klasse für Hochbegabte, Probleme mit neidischen
Schulkameraden gebe es nicht. Man akzeptiert einander", sagt
er. Und seine Mutter Anna Meuser-Wollermann ergänzt: Leistung
ist hier ein positiver Begriff. Deshalb wird niemand gemobbt oder gehänselt."
Die Vertiefungsphase habe eine andere Qualität als ein gewöhnliches
Praktikum, sagt sie und freut sich, dass ihr Filius auf diese Art und
Weise Einblicke in die Forschung" bekommen konnte.
Philipps Schwester Fiona, die die zehnte
Klasse der Schule besucht, geht dem Forschungsthema Therapeutisches
Reiten nach. Sie beschäftigt sich mit der Frage, ob nicht Kühe
bessere therapeutische Tiere als Pferde sind", sagt Meuser-Wollermann.
Gelegentlich fragt sich die Mutter, woher Philipp sein Talent haben mag.
Immerhin, der Vater sei Ingenieur, sie selbst Germanistin, und Informatik
habe ja auch mehr mit Sprache als mit Mathematik zu tun. Ich werde
Erfinder, ich will Dinge erfinden, die es noch nicht gibt" - das
hat Philipp schon als Dreijähriger gesagt.
© Andreas Helfer www.general-anzeiger-bonn.de
( 3. November 2003)
extreMotions" funktioniert sogar
im Weltall
Philipp Wollermann gewinnt den Jugend forscht"-Regionalwettbewerb.
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt verwendet das Computerprogramm
des Schülers. CJD heimst fünf Preise ein
Ich habe mir gedacht, das muss auch einfacher gehen", antwortet
Philipp Wollermann auf die Frage, wie er auf die Idee zu seinem Projekt
kam. Der 17-jährige Schüler der Jugenddorf-Chistophorusschule
Königswinter hat mit dem von ihm entwickelten Computerprogramm extreMotions"
den ersten Preis beim Regionalwettbewerb Jugend forscht" in
der Kategorie Mathematik/Informatik gewonnen und wird nun beim Landeswettbewerb
antreten.
Das Computerprogramm ermöglicht es, das Niedergeschwindigkeits-Zentrifugenmikroskop
(Nizemi) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Köln
über das Internet fernzusteuern. Weltweit gibt es nur sehr wenige
dieser Mikroskope, mit denen speziell die Bewegungen von Einzellern beobachtet
werden. Dank Philipp Wollermann können Forscher Nizemi"
jetzt von jedem Computer mit Internetzugang aus benutzen. Die DLR selbst
werde das Programm wahrscheinlich einsetzen, um ihr Gerät überall
auf Messen und Kongressen vorzustellen, meint Philipp. Es sei nämlich
alles andere als leicht zu transportieren. Sollte das Mikroskop trotzdem,
wie schon einmal, eine Raummission begleiten, könnte man es sogar
dort mit extreMotions" von der Erde aus steuern. Es war
vorher sehr kompliziert, wollte man das Mikroskop nutzen", erzählt
Philipp weiter. Ich musste jedes Mal nach Köln fahren. Hatte
ich einmal etwas Zuhause vergessen, musste ich extra wiederkommen."
In drei Wochen programmierte er deshalb extreMotions" und dachte
sich dann, wie er sagt, damit müsse man nun auch bei solch
einem Wettbewerb antreten".
Philipp Wollermann stellt dem DLR sein Programm kostenlos zur Verfügung.
Die Frage einer Anerkennung für seine Arbeit zum Beispiel in Form
einer Förderung seiner Ausbildung ist noch nicht endgültig geklärt.
Doch erst einmal stehen bei ihm nun der Landeswettbewerb und im kommenden
Jahr das Abitur an. Danach möchte er Informatik in Kombination mit
einem weiteren Fach studieren, eventuell Medizin oder Raumfahrttechnik.
Philipp ist jedoch keineswegs der einzige Schüler des CJD, der mit
seinem Talent und Ideen beeindruckt. Gemeinsam mit Christopher Harms aus
der neunten Klasse gewann er einen zweiten Preis für die Entwicklung
einer Steuerung für Kaffeemaschinen per Handy, Telefon oder Computer.
Außerdem zeichnete die Jury die beiden mit einem Sonderpreis für
die beste Präsentation aus. Der 13-jährige Daniel Alm gewann
den ersten Preis in der Kategorie Mathematik/Informatik beim Wettbewerb
Schüler experimentieren" mit einem Computerprogramm, das
es auch Lai-en ermöglicht, einmal erstellte Internet-Seiten selbstständig
zu betreuen. Da er die Gestaltung vom Text trennt, kann man mit seinem
Inhalts-Management-System (CMS) den Inhalt einer Seite selbst ändern
und aktualisieren, ohne dass etwas am Layout kaputtgeht". Daniel
Alm tritt mit seinem Projekt beim Landeswettbewerb von Schüler
experimentieren" an. Insgesamt gingen damit fünf Preise der
beiden Regionalwettbewerbe für Nachwuchswissenschaftler an die Königswinterer
Schule.
© Dagny Schwarz www.general-anzeiger-bonn.de
( 1. April 2004)
Präsentation und Ehrung der "Jugend forscht"- Teilnehmer
am 31. März 2004 bei BayKomm in Leverkusen: |