Ein Schüler bringt Pantoffeltierchen ins Internet

Auszeichnung durch den Schul- und Jugenddorfleiter auf dem Christophorusmarkt 2003


 

Philipp Wollermann von der Jugenddorf-Christophorus-Schule entwickelt eine Software für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Der 17-Jährige besucht eine Klasse für hoch Begabte
Wie verhalten sich wohl Pantoffeltierchen bei einem Vielfachen der Erdschwerkraft? Eine dem Thema angemessen schwer zu beantwortende Frage, der man im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Porz-Wahnheide mit Hilfe von Zentrifugen nachgeht. Gleichzeitig werden die Einzeller dabei in einer speziellen Apparatur unter dem Mikroskop untersucht. Das Verfahren wiederum interessiert auch andere Wissenschaftler außerhalb der DLR, was die Frage auswarf, wie sich die Labortechnik auch im Internet nutzen lässt -und genau dabei half ein 17 Jahre alter Schüler der Jugenddorf-Christophorus-Schule in Königswinter.
Philipp Wollermann aus Vinxel schrieb eine Software für den Datenaustausch, mit der sich der Versuch von einem internetfähigen Rechner aus steuern lässt. „Remote access to Life Sciences Experiments on ISS or in Ground-Based Facilities" heißt das Verfahren bei der DLR, übersetzt etwa „Fernzugriff auf Experimente an Organismen auf der Internationalen Raumstation oder in bodenbasierten Einrichtungen". Dank der Software Marke Wollermann lassen sich per Fernbedienung das Mikroskop, die Geschwindigkeit der Zentrifuge und die Bildbearbeitung steuern. In drei Wochen entwickelte der Schüler das Programm, während einer so genannten Vertiefungsphase, in der Jugenddorf-Christophorus-Schüler wissenschaftliche Einrichtungen kennen lernen können. Dazu pflegt die Privatschule auch enge Kontakte zur Bonner Universität, zum Fraunhofer-Institut und zur Fachhochschule Bonn/Rhein-Sieg.
„Daraus ist mehr geworden, als wir erwartet hatten", sagt Paul Eßer, der als zuständiger Projekt-Ingenieur Wollermann beim DLR betreute. Er sieht großes Potenzial für die Anwendung. „Das ist nur ein Beispiel für ein Gerät, das sich so steuern ließe", sagt Eßer. Das DLR stellt das Programm Forschungspartnern unentgeltlich zur Verfügung.
Im Prinzip wären auch kommerzielle Anwendungen denkbar, wenn sich der Erfolg herumspricht und beispielsweise Labore aus der Ferne Experimente über das Internet in Auftrag geben und verfolgen wollen. Dann wäre das Ganze schon ein Fall für die Abteilung Technologie-Transfer der DLR, die sich mit der Verwertung von Entwicklungen beschäftigt. Philipp fasst momentan aber noch keine Karriere als Jungunternehmer ins Auge, sondern näher liegende Ziele, das Abitur und anschließend vielleicht ein Informatik-Studium. „Netzwerke haben mich schon immer interessiert", sagt Wollermann. Bei der DLR habe ihn gereizt, „das Ganze perfekt umzusetzen." Eßer: „An dem Problem haben sich schon FH-Studenten die Zähne ausgebissen."
Wollermann besucht eine Klasse für Hochbegabte, Probleme mit neidischen Schulkameraden gebe es nicht. „Man akzeptiert einander", sagt er. Und seine Mutter Anna Meuser-Wollermann ergänzt: „Leistung ist hier ein positiver Begriff. Deshalb wird niemand gemobbt oder gehänselt." Die Vertiefungsphase habe eine andere Qualität als ein gewöhnliches Praktikum, sagt sie und freut sich, dass ihr Filius auf diese Art und Weise „Einblicke in die Forschung" bekommen konnte.
Philipps Schwester Fiona, die die zehnte Klasse der Schule besucht, geht dem Forschungsthema Therapeutisches Reiten nach. „Sie beschäftigt sich mit der Frage, ob nicht Kühe bessere therapeutische Tiere als Pferde sind", sagt Meuser-Wollermann.
Gelegentlich fragt sich die Mutter, woher Philipp sein Talent haben mag. Immerhin, der Vater sei Ingenieur, sie selbst Germanistin, und Informatik habe ja auch mehr mit Sprache als mit Mathematik zu tun. „Ich werde Erfinder, ich will Dinge erfinden, die es noch nicht gibt" - das hat Philipp schon als Dreijähriger gesagt.

© Andreas Helfer www.general-anzeiger-bonn.de ( 3. November 2003)


„extreMotions" funktioniert sogar im Weltall
Philipp Wollermann gewinnt den „Jugend forscht"-Regionalwettbewerb. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt verwendet das Computerprogramm des Schülers. CJD heimst fünf Preise ein

„Ich habe mir gedacht, das muss auch einfacher gehen", antwortet Philipp Wollermann auf die Frage, wie er auf die Idee zu seinem Projekt kam. Der 17-jährige Schüler der Jugenddorf-Chistophorusschule Königswinter hat mit dem von ihm entwickelten Computerprogramm „extreMotions" den ersten Preis beim Regionalwettbewerb „Jugend forscht" in der Kategorie Mathematik/Informatik gewonnen und wird nun beim Landeswettbewerb antreten.
Das Computerprogramm ermöglicht es, das Niedergeschwindigkeits-Zentrifugenmikroskop (Nizemi) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Köln über das Internet fernzusteuern. Weltweit gibt es nur sehr wenige dieser Mikroskope, mit denen speziell die Bewegungen von Einzellern beobachtet werden. Dank Philipp Wollermann können Forscher „Nizemi" jetzt von jedem Computer mit Internetzugang aus benutzen. Die DLR selbst werde das Programm wahrscheinlich einsetzen, um ihr Gerät überall auf Messen und Kongressen vorzustellen, meint Philipp. Es sei nämlich alles andere als leicht zu transportieren. Sollte das Mikroskop trotzdem, wie schon einmal, eine Raummission begleiten, könnte man es sogar dort mit „extreMotions" von der Erde aus steuern. „Es war vorher sehr kompliziert, wollte man das Mikroskop nutzen", erzählt Philipp weiter. „Ich musste jedes Mal nach Köln fahren. Hatte ich einmal etwas Zuhause vergessen, musste ich extra wiederkommen." In drei Wochen programmierte er deshalb „extreMotions" und dachte sich dann, wie er sagt, damit müsse man „nun auch bei solch einem Wettbewerb antreten".
Philipp Wollermann stellt dem DLR sein Programm kostenlos zur Verfügung. Die Frage einer Anerkennung für seine Arbeit zum Beispiel in Form einer Förderung seiner Ausbildung ist noch nicht endgültig geklärt. Doch erst einmal stehen bei ihm nun der Landeswettbewerb und im kommenden Jahr das Abitur an. Danach möchte er Informatik in Kombination mit einem weiteren Fach studieren, eventuell Medizin oder Raumfahrttechnik.
Philipp ist jedoch keineswegs der einzige Schüler des CJD, der mit seinem Talent und Ideen beeindruckt. Gemeinsam mit Christopher Harms aus der neunten Klasse gewann er einen zweiten Preis für die Entwicklung einer Steuerung für Kaffeemaschinen per Handy, Telefon oder Computer. Außerdem zeichnete die Jury die beiden mit einem Sonderpreis für die beste Präsentation aus. Der 13-jährige Daniel Alm gewann den ersten Preis in der Kategorie Mathematik/Informatik beim Wettbewerb „Schüler experimentieren" mit einem Computerprogramm, das es auch Lai-en ermöglicht, einmal erstellte Internet-Seiten selbstständig zu betreuen. Da er die Gestaltung vom Text trennt, kann man mit seinem Inhalts-Management-System (CMS) den Inhalt einer Seite selbst ändern und aktualisieren, ohne dass etwas am Layout „kaputtgeht". Daniel Alm tritt mit seinem Projekt beim Landeswettbewerb von „Schüler experimentieren" an. Insgesamt gingen damit fünf Preise der beiden Regionalwettbewerbe für Nachwuchswissenschaftler an die Königswinterer Schule.

© Dagny Schwarz www.general-anzeiger-bonn.de ( 1. April 2004)



Präsentation und Ehrung der "Jugend forscht"- Teilnehmer am 31. März 2004 bei BayKomm in Leverkusen: