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Verabschiedung des Jugenddorf- und Schulleiters Hans Joachim Gardyan
am 13. und 22. Juni 2006
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Hans-Joachim Gardyan
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Schul- und Jugenddorfleiter
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von 1992
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bis 2006
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Zum Abschied ein Blues mit der Caroline
Jazz Combo"
Das CJD würdigt Hans-Joachim Gardyan mit einem nach ihm benannten
Platz
Königswinter hat einen neuen Platz. Richtig neu ist dieser zwar nicht,
dafür aber sein Name. Der Hans-Joachim-Gardyan-Platz"
befindet sich, wie sollte es auch anders sein, auf dem Gelände der
Christophorusschule (CJD). Den oberen Schulhof haben die Schülervertretung
und der Jugenddorfrat nach dem Schul- und Jugenddorfleiter benannt und
dort ein eigenes Namensschild angebracht.
So bleibt Gardyan allgegenwärtig, obwohl er gestern nach 14 Jahren
als Leiter des laufenden Schulbetriebs in den Ruhestand verabschiedet
wurde. Dementsprechend groß war auch die Zahl der Gratulanten, die
ihm für seine Verdienste um das Königswinterer Gymnasium dankten,
das 1992 geöffnet hatte. Seitdem hat sich die Zahl der Schüler
von 360 auf 1200 erhöht und das Lehrerkollegium ist von 30 Lehrkräften
auf mehr als 80 angewachsen. Das hat vor allem Gardyan mit seiner Überzeugungskraft
zu verantworten, wie Hartmut Hühnerbein berichtete. Der Sprecher
des Vorstandes des Christlichen Jugenddorfwerkes Deutschland gab Schlüsselsätze
des scheidenden Schulleiters wieder. Ich muss Ihnen ja nicht sagen,
wie viele Mitarbeiter ich brauche, das wissen Sie ja, also sage ich Ihnen
einfach, welche ich brauche", zitierte Hühnerbein und hob Überzeugungskraft,
Aufmerksamkeit für andere, Einfühlsamkeit und Authentizität
als Eigenschaften Gardyans hervor. Zudem zeichnete er ihn mit der CJD-Arnold-Dannenmann-Medaille
für seine Verdienste aus.
Sie sind uns lieb und teuer gewesen", sagte Bürgermeister
Peter Wirtz in der gut gefüllten Aula des CJD. Damit spielte er auf
so manche kostspielige Vision des künftigen Ruheständlers an,
die der aber mit konsequenter Entschlossenheit verfolgt habe, wie bei
seinem letzten großen Projekt, dem neuen Kreativhaus. Die
Schule hat über die Jahre ihr eigenes Gesicht entwickelt und das
trägt ihre Handschrift", so Wirtz über Gardyan, den er
zudem als regionalen Papst der Hochbegabtenförderung"
bezeichnete. Es verdient Anerkennung, dass er die Hochbegabtenförderung
schon voran trieb, als noch niemand daran dachte, erklärte
auch Franz Mönks, der Präsident des European Council of High
Ability. Vor der offiziellen Verabschiedung hatten Schüler auf dem
Schulhof Spalier gestanden und ihrem Schulleiter nicht nur mit dem Schild,
sondern auch mit Wir wollen den Gardyan"-Sprechchören
gedankt. Diese Begeisterungsstürme verdankt der scheidende Jugenddorfleiter
auch seiner Repräsentationsfähigkeit, wie der Sprecher des Lehrerkollegiums,
Lukas Vreden, berichtete: Als ich einen Fernsehbeitrag gesehen habe,
in dem Sie die Schule vorstellten, hat das meine Selbstachtung gehoben
und ich habe gedacht: Mensch Lukas, an einer solchen Schule darfst
du unterrichten."
Angesichts solch vieler freundlicher Worte zeigte sich Gardyan gerührt,
obwohl er selbst anmerkte, dass er dieses uneingeschränkt positive
Bild korrigieren müsse, dies aber eine abendfüllende Veranstaltung
werden würde. Deshalb fasste er sich kurz, bevor er mit der Schülerband
Caroline Jazz Combo" einen Blues spielte, und dankte allen,
ohne deren Hilfe all das nicht möglich gewesen wäre. Ich
bin sehr dankbar, dass es mir dadurch möglich war, viele Ideen umsetzen
zu können". Gardyans Posten des Schul- und Jugenddorfleiters
wird in dieser Form nicht neu besetzt. Die Leitung verteilt sich auf ein
Dreigestirn. Während Reinhard Koglin die Gesamtleitung übernimmt
und Johannes Heide künftig die Gymnasialleitung innehat, bleibt Jörg
Möller Realschulleiter.
Joscha Duhme, General-Anzeiger
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Interview mit einem frisch gebackenen
Pensionär
Lieber Herr Gardyan, was hat sich spürbar in den letzten Wochen
für Sie und ihre liebe Frau verändert?
Mein Terminkalender hat sehr deutlich abgespeckt, die Zwänge, die
ein regelmäßiges Programm vom frühen Vormittag bis manchmal
in den Abend hinein so mit sich bringen
Diese Zwänge gibt es
nicht mehr.
Worüber freuen Sie sich jeden Tag?
Oh das Gefühl, am Anfang von ganz langen Sommerferien zu stehen
und Zeit zu haben für Dinge, die einem selber wichtig sind.
Sie waren ein Schul- und Jugenddorfleiter mit Visionen. Sie haben unsere
Schule durch ein einmaliges Pädagogisches Konzept entscheidend vorangebracht.
Was bewegt einen so erfolgreichen Schulgründer dazu, vorzeitig in
den Ruhestand zu gehen?
Mich haben ganz allein meine Ärzte bewegt, langsam einmal
etwas kürzer zu treten. Dies ist der einzige Grund: Da die Aufgaben
in meiner Doppelfunktion als Jugenddorfleiter und Schulleiter seit 1992
nicht gerade geringer geworden sind und ich hervorragende Nachfolger aus
dem eigenen Stall habe, bat ich den Träger, um die Möglichkeit,
in den Vorruhestand mit 63 treten zu können, was schließlich
bewilligt wurde.
Viele SchülerInnen, KollegInnen, Eltern kennen Sie als Jugenddorf-
und Schulleiter. Was sind denn die Aufgaben eines Jugenddorfleiters?
Als Vertreter des Schulträgers vor Ort hat man die Privatschule in
Kontakt mit der Kommune, dem Kreis und der Bezirksregierung, aber auch
gegenüber Kultusbehörden der Länder und des Bundes, Interessenverbänden
und nicht zuletzt im Einklang mit der Zentrale des CJD zu positionieren
und voran zubringen. Das reicht von der Genehmigung von Mitteln für
spezielle pädagogische Aufgaben bis hin zur Inbetriebnahme des Kreativhauses.
Wie sieht ein Tag im Leben eines frisch gebackenen Pensionärs aus?
Sie stellen aber Fragen! - Also, meistens beginnt der Tag mit einem ausführlichen
Frühstück und der Lektüre der Tageszeitung. Dann treibe
ich mehrmals in der Woche Sport, was ich bisher sträflich vernachlässigt
habe.
Ansonsten habe ich z. B. viel in unserem schönen Garten im wunderschönen
Siebengebirge und bei frischer Luft zu tun oder in Haus und Hof zu reparieren
und zu basteln. Etwas Handwerkliches herzustellen hat mir schon immer
sehr viel Freude gemacht. Das ist in den letzten Jahren begreiflicherweise
zu kurz gekommen. Oder meine Frau und ich besuchen Museen, Theater und
Konzerte - besonders intensiviert durch die Geschenke anlässlich
meiner Verabschiedung, für die wir dem Kollegium, der Pflegschaft
und dem Förderverein sehr dankbar sind. Musik selber machen ist jetzt
wieder möglich, nicht zuletzt haben wir nun wieder mehr Zeit für
Reisen und für unseren Freundeskreis.
Herr Gardyan, in Ihrer Familie war Ihr Vater bereits Lehrer. Wollten
Sie in seine Fußstapfen treten, wollten Sie schon immer Schulleiter
werden oder hatten sie ursprünglich einen ganz anderen Traumberuf?
Ich habe lange geschwankt zwischen einem naturwissenschaftlichen Beruf
und der Musik. Lehrer wollte ich aber schon immer werden. Dass ich schließlich
Schulleiter und sogar Schulgründer geworden bin, war eigentlich gar
nicht beabsichtigt. Trotzdem war der Aufbruch nach Königswinter
für meine Familie und mich ein große, wunderbare Herausforderung.
Welcher Mensch hat Sie am meisten geprägt/beeindruckt:
Beispielsweise Professor Pastor Arnold Dannenmann, der als evangelischer
Pfarrer und Gründer des CJD mir als Katholiken und Studienrat eines
staatlichen Gymnasiums sehr viel gegeben hat. Sein christliches Menschenbild,
aber auch die konkrete Begegnung mit Menschen in seinen Jugenddörfern
der 70er Jahre, war für meine Konzeption von Schule grundlegend.
Beeindruckt hat mich dabei seine Pädagogik als praktizierte Nächstenliebe
und kein verkopftes System.
Ist das Siebengebirge eigentlich zu einer neuen Heimat für Sie und
Ihre Familie geworden? Wo haben Sie Ihre Wurzeln:
Ich bin in Schlesien 1943 geboren und habe mich später sehr mit der
Geschichte Schlesiens beschäftigt und identifiziert. Leider haben
auch viele Menschen nur wenige, manchmal plakative Vorstellungen. Ich
bin und bleibe Schlesier. Im wunderschönen Siebengebirge mit den
vielen netten aufgeschlossenen Rheinländerinnen und Rheinländern
fühlen meine Frau und ich uns sehr wohl. Hier wollen wir bis auf
weiteres unseren Lebensmittelpunkt behalten.
Wie füllt ein bis vor Kurzem so viel beschäftigter Mensch, wie
Sie es waren, nun seine gewonnene Zeit aus? Wo werden Sie sich künftig
engagieren?
Im Rahmen des Ruhestandes werde ich mich ehrenamtlich weiter als Mitglied
des CJD Fachausschusses Musische Bildung mit der Kernkompetenz
Musische Bildung beschäftigen. Ferner werde ich im Rhein-Sieg-Kreis
eine soziale Aufgabe für Randgruppen übernehmen. Schließlich
bin ich im Bereich der Hochbegabtenförderung von verschiedenen Einrichtungen
in der Bundesrepublik gebeten worden, meine Erfahrungen einzubringen.
Was wünschen Sie unserem Jugenddorf bzw. den Menschen, die dort lernen
und arbeiten:
Dass unsere Schulgemeinschaft bewahrt, was sie bisher an Visionen umgesetzt
hat und darüber hinaus mutig ist, auch ganz neue Wege einzuschlagen.
Ich wünsche SchülerInnen, Eltern, LehrerInnen und allen MitarbeiterInnen
Erfolg, Freude, Zufriedenheit und Gottes Segen.
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Radelnd in den Ruhestand
My Way hieß das Motto der Verabschiedungsrundreise,
die Lehrer der CJD-Schule für Schulleiter Hans-Joachim Gardyan vorbereitet
hatten.
Anhand verschiedener Stationen auf dem Schulgelände, im A- und B-Haus,
Internat, Kreativhaus, Kellertheater und Aula - zeigten ihm die Pädagogen
gut eineinhalb Stunden lang die Stätten seines Wirkens. Dabei immer
der Chief Chair", der Thron afrikanischer Häuptlinge,
auf dem der .Ex-Schulleiter in spe" Platz nehmen musste. Ein
mit Luftballons bunt geschmücktes Tandem diente als Vehikel, um mit
Ehefrau Eva-Maria Gardyan die Strecke zwischen den Stationen, begleitet
von einem kleine Fahrradkonvoi, radelnd überwinden zu können.
An den einzelnen Stationen sorgten sowohl musizierende Schülerinnen
und Schüler aus verschiedenen Jahrgangsstufen als auch ein singender
Lehrerchor für Überraschung. Im Kellertheater würdigten
die Lehrer ihren scheidenden Chef im Rahmen eines selbst geschriebenen
Theaterstücks sowie passenden Gesangseinlagen und zeigten auf humorvolle
Art und Weise eine mögliche Zukunft. In den Hauptrollen Monika Einhoff
und Astrid Karres.
Als Abschiedsgeschenk erhielt Gardyan Karten für die Salzburger Festspiele,
inclusive Flug sowie einen Ginkobaum als Glücksbringer für den
Garten.
Astrid Karres
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Fotos: Marius Mayer und Tobias
Mayer
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