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Ein einsamer Lichtstrahl schweift durch den blauen Nebel,
der über der Bühne schimmert. Es ist neun Uhr. Ein Bahnbeamter
trifft sich mit einer jungen Wirtstocher, die für ihn einen Meineid
geschworen hat. Sie findet keine Ruhe mehr vor ihren Schuldgefühlen,
kann sie nicht mehr ertragen.
"Ich kann nicht mehr lügen!", schreit sie verzweifelt,
klammert sich an das Gelände. Er dreht sich
weg, möchte weglaufen. "Geh' nicht!", ruft sie, rennt ihm
hinterher. "Erkennst du mich wieder?" Sie
hält ihn fest. "Thomas! Erkennst du mich wieder?"
Eine Schlüsselszene im kontroversen Stück "Der jüngste
Tag" von Ödön
von Horváth zeigt dieses
Geschehnis. Präsentiert von rund 30 jungen Darstellern konnte man
dieses Drama Anfang Juni in der Aula des CJD beobachten. TheaterTotal
heißt die Gruppe, die dieses Schauspiel interpretiert hat, die es
hervorragend versteht, die Ereignisse dramatisch hervorzuheben, den Zuschauer
durch
überzeugendes Spielen zu fesseln. Besonders auffällig waren
die bewussten Körperbewegungen, die perfekt auf einander abgestimmt
waren und die Worte ausdrucksstark untermalten. TheaterTotal versteht
es, den Körper bewusst zu schulen, wie man an den Handlungen unschwer
erkennen konnte.
Mimik und Gestik spielten weitere Hauptrollen im Geschehen, so dass auch
Gefühle einer Figur nicht nur durch Text, sondern besonders durch
die Körpersprache lebendig wirkten. Inhaltlich überzeugt das
Stück durch subtile, personifizierte Gesellschaftskritik, die besonders
vom Bahnbeamten Thomas Hudetz verkörpert wird.
Dieser lässt sich von der hübschen Wirtstochter Anna verführen
und verpasst dadurch ein Signal, was zu einem Bahnunglück mit 18
Toten führt. Er hat keinerlei Gewissensbisse, verführt Anna
skrupellos dazu, für ihn einen Meineid zu schwören, streitet
alles vehement ab, will keine Schuld auf sich nehmen. Somit bedeutet ihm
sein Ruf mehr als die Wahrheit. Die Meinungen werden immer kontroverser,
die von den Figuren wahrgenommene Realität wird zu einem immer
verschwommeneren Bild der Wirklichkeit, die Wahrheit wird zu kleiner werdenden
Fetzen, bis die Lage eskaliert und das Stück in einer dramatischen
Katastrophe endet.
TheaterTotal tourt nun weiter durch Deutschland, um noch viele Zuschauer
in den Bann dieses
Stückes zu ziehen und Menschen mit den umstrittenen Fragen der Schuld,
Moral und des Gewissens zu konfrontieren.
Alexandra Kessler, 10e
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