"Der letzte Schatten war ein ganz besonderer"

Aufführung von „Ophelias Schattentheater" am 27. März 2003

„Ophelias Schattentheater“ wurde von der Theater-AG Unterstufe gespielt. Die Leitung hatte Uta Mayer übernommen.
Die Idee kam von einem Bilderbuch von Michael Ende. Wir, d. h. die Theater-AG, haben alle Texte selbst geschrieben. So waren die ersten Proben ziemlich langweilig, weil immer nur das Gleiche gemacht wurde: immer nur Texte schreiben. Nach und nach hatten wir das Drehbuch fertig und wir mussten uns um die Kostüme kümmern. So rückte nach einem halben Jahr voller Proben die Aufführung näher.
Zwei Stunden vor der Aufführung waren wir in der Aula der Christophorusschule versammelt: Sprechprobe – Schminken – Lampenfieber. Kurz vor der Aufführung noch ein paar Entspannungsübungen und dann wurde es ernst. Dass es gut wurde, konnte man in der Zeitung lesen (siehe unten).

Wenn Sie dieses Theaterstück sehen wollen, müssen Sie zum Sommerfest des CJD kommen. Dort werden wir „Ophelias Schattentheater“ das letzte Mal aufführen.


Carolin und Heilgard (7d bzw. 9c)

„Ophelias Schatten“ spielen Shakespeare

Die Dunkelheit in der Aula des CJD passte gut zu dem Stück, dessen Aufführung am Donnerstagabend seine Premiere erlebte: „Ophelias Schattentheater". Die Theater-AG der Unterstufe der Jugenddorf Christophorusschule präsentierte damit das Ergebnis ihrer Arbeit in diesem Schuljahr. Unter der Leitung von Uta Mayer hatten die Schüler das Theaterstück frei nach dem gleichnamigen Bilderbuch von Michael Ende inszeniert. Sämtliche Texte für die Aufführung hatten die Schüler selbst geschrieben.
Ein Unterschied zu gewöhnlichen Theaterdialogen war kaum zu erkennen und wenn es der Fall war, dann gewollt. Das etwa halbstündige Stück handelt von dem Mädchen Ophelia, das in einem Theater als Souffleuse arbeitet. Als das Theater schließen muss, bleibt Ophelia alleine dort zurück und trifft auf lebendig gewordene Schatten, die sie zu sich einlädt. Zwar hält ihr Umfeld sie für verrückt, doch gemeinsam mit ihren neuen Freunden führt sie mit Erfolg ein Schattentheater auf. Wie der Titel richtig vermuten lässt, enthält das Stück zahlreiche Passagen, die tatsächlich als Schattentheater dargestellt werden. Ophelia, die von Ramona Raabe gespielt wurde, muss sich unter anderem mit einem unfreundlichen Hausbesitzer herumschlagen, den Sebastian Schiefer darstellt. Dieser verlangt von der armen Ophelia die doppelte Miete, nachdem sie anscheinend verrückt geworden ist. „Sie haben kein Geld und ich habe kein Herz", gibt er offen, aber skrupellos, in einer der selbstverfassten Zeilen aus dem Stück der Unterstufenschüler zu.
Die jugendlichen Elemente traten einige Male in den Vordergrund. Dass in Shakespeares „Sommernachtstraum", den Ophelias Schatten darbieten, Ausdrücke wie „voll konkret" vorkommen, ist wohl nur in dieser innovativen Variante der Fall. Aufgrund des ständigen Wechsels von „normalem" Bühnenspiel zum Tanz der Schatten hinter einer Leinwand, hatte man praktisch auf ein Bühnenbild verzichtet! Dies wurde durch die Kostüme der Darsteller und deren wunderbares Schauspiel mehr als ausgeglichen.
Auf dem Sommerfest der Schule wird das Stück ein weiteres Mal aufgeführt. Dann wird die Aula hoffentlich einmal mehr voll besetzt sein. Den Jugendlichen wäre es zu wünschen, verdient haben sie es allemal.

© Joscha Duhme www.general-anzeiger-bonn.de (29. März 2003)

 

Die Zusammenhänge von Licht und Schatten haben von jeher die Menschen fasziniert. Der dunkle Umriss als Abbild der „tatsächlichen“ Gegebenheiten wirkte immer etwas gespenstisch, unnahbar und schien mit einem ungreifbaren Eigenleben gefüllt. Welche Katastrophe, so von Schriftstellern beschrieben, bedeutete gar der Verlust des eigenen Schattens, war dies doch gleichzeitig der Verlust der Identität und trieb so manch Furchtsamen gar in das sprichwörtliche Reich der Schatten. Bekannte Redensarten wie „Über den eigenen Schatten springen“, „Ein Schattendasein führen“ oder „ein scharfes Licht wirft scharfe Schatten“ spiegelt die große Bedeutung der Schatten.

Umso wirkungsvoller ist das kunstvolle Spiel mit den Schatten. In vielen Kulturen erfreuen sich die Schattentheater großer Beliebtheit bei Jung und Alt. Die Leiterin der Theater-AG Unterstufe der Christlichen Jugenddorf Christophorusschule Königswinter Uta Mayer entwickelte mit den jungen Schauspielerinnen und Schauspielern der Klassen fünf bis sieben ebenfalls die Idee, für eine Aufführung der Schatten habhaft zu werden, sie lebendig werden zu lassen und sie aus dem erwähnten Schattendasein hinaus und einem Publikum vorzuführen.

Und was lag da näher, als sich auf die wundersame Geschichte von Michael Ende und Friedrich Hechelmann „Ophelias Schattentheater“ zu beziehen. Frei nach der Idee, die dem beliebten Buch zu Grunde liegt, texteten die Schülerinnen und Schüler ihre Passagen selbst.

Obwohl für ein Schattentheater nicht allzu viele Utensilien gebraucht werden, galt es dann jedoch das wichtigste dafür zu erstellen, nämlich eine Schattenwand. Mit Feuereifer wurde ein wenige Meter hoher und breiter Rahmen mit hellem Leinenstoff bespannt und mit rotem Tüll eingefasst. „Auch wenn der Tüll anfangs als „uncool“ empfunden wurde, haben die jungen Talente indes bald eingesehen, dass dies dekorativer aussieht“, wusste Uta Mayer humorvoll über die halbjährige Zeit der Vorarbeit und Proben zu berichten.

Nun war es vergangene Woche endlich soweit. Endlich durften die emsigen Schatten in der Aula des CJD ins Rampenlicht treten. Auch Dank der Hilfe älterer Schüler in Sachen Technik und Illumination konnte nichts mehr schief gehen. Während die Besucher des Theaterstückes sich gespannt vor die Schattenwand setzten, gab es hinter den Kulissen noch reges Treiben, doch alsbald beherrschte die stimmungsvolle Schattenkulisse die Atmosphäre und nahm die Zuschauer mit in eine andere Welt.

Es war Ophelias Welt, in der Theater immer eine besondere Rolle gespielt hatte. Eigentlich wollte die junge Ophelia selber Schauspielerin werden, aber ihre Stimme war zu leise. So wurde sie Souffleuse, und flüsterte den großen Schauspielern ihre Texte zu.

Es vergingen die Jahre, als die inzwischen alt gewordene Ophelia ihre Stellung verliert, da das Theater schließen soll. Nach der letzten Vorführung, sie will gerade Abschied nehmen von ihrem geliebten Theater, begegnen ihr plötzlich Schatten „die keiner mehr will“. Sie beschließt diese Schatten mit nach Hause zu nehmen und bei sich aufzunehmen. Da nimmt die phantastische Geschichte ihren Lauf. Ophelia, weil von den Nachbarn als wunderlich verurteilt, erhält von ihrem hartherzigen Vermieter die Kündigung.

Von nun an wandert Ophelia mit ihren vielen Schatten durch die Welt und gründet ihr eigenes Theater, „Ophelias Schattentheater“. Dies wird der größte Erfolg ihres Lebens, bis eines Tages ein anderer Schatten auftaucht und sie mitnimmt. Es ist der Schatten des Todes.

Die Schülerinnen und Schüler der Theater-AG meisterten ihr Stück hervorragend. In rhythmisch fließenden Bewegungen tanzten sie sich in die Herzen der Zuschauer. Mit viel Spürsinn für die tiefen Inhalte des Buches über Leben, Einsamkeit und Tod engagierten sie sich mit großem Einsatz in alles Passagen. Begeisterter Applaus zum Ende der gelungenen Darbietung belohnte die jungen Künstlerinnen und Künstler für ihre Leistung.

© www.extra-blatt.de (Iris Zumbusch)


AG-Leitung: Uta Mayer
Fotos: Tobias Mayer