mozART: Alles Amadeus

Einen Abend lang ist einfach „alles Amadeus", Literaturgrundkurs des CJD bietet eine bunte Collage zum Mozartjahr. Von Klassik bis Rock und Musical ist alles dabei. Bei der Oper wählen die Schüler einen anderen Weg

“Literaturkurs -I love you! You are so sexy! Ich will ein Kind von euch allen!“ Fiona Wollermann hält ihr selbstgemaltes Plakat mit Herz und Spruch in die Höhe, während andere Zuschauer begeistert Beifall spendeten. Hinter dem Publikum liegen 120 Minuten „Alles Amadeus", eine bunte Collage zum Mozartjahr im Kellertheater der Jugenddorf-Christophorusschule .
Den literarisch-musikalischen Streifzug hatte der Literaturgrundkurs der Jahrgangsstufe 12 mit Lehrerin Ruth Schneider in den vergangenen Monaten erarbeitet. „Herr und Frau Mozart" selbst waren anwesend - in Gestalt von Christine Keppler, mit weißer Perücke und im Rock, und Sarah Jünger im langen Kleid. Sie kündigten den jeweils nächsten Programmpunkt ihrer 23 Mitstreiter an, wobei sie immer einen Bezug zu Lebensdaten des herausragenden Komponisten, dessen 250. Geburtstag in diesem Jahr mit vielen Veranstaltungen gewürdigt wird, herstellten.
„1777 lernte ich meinen Gatten kennen. Er war erst an meiner Schwester interessiert", sagte da etwa „Constanze Weber", die 1782 Mozarts Frau wurde und 1762 zur Welt kam, in dem Jahr also, als das Wunderkind Mozart mit Vater und Schwester zu seiner ersten Konzertreise aufbrach. „Es hat Spaß gemacht, sich mit der Biographie Mozarts zu befassen und die Texte zu formulieren", so Christine Keppler, die auf der Bühne den Mozart mimte und dabei ebenso wie Sarah Jünger als Constanze von den Technikern der Theatertruppe in einen grellen Scheinwerferkreis auf der ansonsten stockdunklen Bühne getaucht wurde.
Wer aber glaubte, die Zeit würde jetzt ständig 250 oder 200 Jahre zurückgedreht, der irrte. So tanzten die Schüler nicht nur nach der klassischen Musik Mozarts in der damaligen Form, sondern sie setzten auch „Rock me, Amadeus" des Rock-Musikers Falco in salopper Tanz- und in Sprechversion auf der Bühne um - eine Hymne auf Mozart eben auf andere Weise.
Auch Mozart als Musical flochten die Schüler in ihr Programm ein. Eva Nienhaus und Katrin Just sangen die Solos „Gold von den Sternen", „Irgendwo wird immer getanzt" und „Warum kannst du mich nicht lieben". Auch ein Chor aus fünf Mädchen huldigte dem Komponisten mit „Mozart! Mozart". Denn: An Opernstimmen trauten sich die Schüler dann doch nicht heran. Das Thema „Oper" wurde in Sketche oder auch in eine Talkshow umgesetzt. Liebhaber von nachmittäglichen Quasselrunden hätten ihre wahre Freude gehabt. Den Inhalt der Oper „Hochzeit des Figaro", 1786 uraufgeführt, gaben die 16- bis 18-Jährigen in der Sprache der Plauderstunden im Fernsehen wieder. Als Talkmasterin agierte Laura Rinschen, die sieben Akteure der Oper ins Kreuzverhör nahm. Einer nach dem anderen plumpste auf die Couch, nachdem er zuvor sein Problem artikuliert hatte. Kleine Kostprobe: „Ich bin die Gräfin Almaviva. Mein Gatte betrügt mich." Oder: „Ich bin Figaro. Ich möchte die Zofe Susanne heiraten!" und „Ich bin Susanne, der Graf stellt mir nach!" Der Seelen-Striptease wurde mit lautem Johlen und Zwischenrufen aus dem Zuschauerraum kommentiert! Auch das Schild von Fiona Wollermann passte genau in die heutige Zeit mit Superstars und Sternchen und der ganz speziellen Bewunderung durch deren Fans. Ein schöner Kontrast zum Wunderkind Mozart. Mit dessen heiterem Gute-Nacht-Kanon „Bona nox! Bist rechta Ox!" wurde dem 1791 verstorbenen Genie von den Königswinterer Schülern ein letzter Gruß hinterhergerufen.

© www.general-anzeiger-bonn.de, April 2006

Fotos der Generalprobe und der Aufführungen am 3. und 5. April 2006


Leitung und Organisation: Ruth Schneider
Fotos: Alexandra Kessler und Tobias Mayer
Fotoauswahl: Sarah Rom