88ZZ69B : Ein Theaterstück aus dem Reagenzglas

 

„88ZZ69B“ – noch Fragen?


Während die Vereinten Nationen seit Monaten an einem internationalen Vertrag aller Länder arbeiten, der das Klonen von Menschen weltweit unter Strafe stellen soll, kam es vergangene Woche in Italien zu einer ersten Klon-Schwangerschaft, die zwar vonseiten in- und ausländischer Ärzteverbände heftige Proteste auslöste, einer bekannten Zeitung wie der „Welt am Sonntag“ aber nur eine winzige Spalte unter der Rubrik „Die Welt am Wochenende“ wert war (WaS, 7. April 2002).

Vielleicht haben wir uns ja inzwischen an diese Art von Neuigkeiten gewöhnt, sind abgestumpft gegenüber oftmals zitierten grundlegenden Wertebegriffen wie „Menschenwürde“, „Schutz des Embryos“, „Hochrangigkeit der Forschungsvorhaben“ usw. Es bleibt uns fast nichts anderes übrig als den Politikern zu vertrauen, die Anfang dieses Jahres einem Antrag zustimmten, der deutschen Forschern unter strengen Auflagen die Möglichkeit einräumt, mit embryonalen Stammzellen zu arbeiten. Zwar ist das Klonen in Deutschland weiterhin verboten, doch wer kann schon garantieren, dass die Entscheidung nicht irgendwann von „interessierten Kreisen“ genutzt wird, um die Einführung dieser Technik zu legitimieren.


Um es gleich vorwegzunehmen: Wir wissen auf all diese Fragen natürlich auch keine Antwort. Im Laufe der vielen Wochen, in denen wir uns mit den modernen ethischen Fragen auseinander gesetzt haben, kamen wir immer wieder zu dem gleichen Schluss: Es gibt keine Lösung, zumindest keine eindeutige Lösung, die die vielen unterschiedlichen Positionen vereinen könnte. Wie sollte man auch nicht Verständnis haben für die Wissenschaftler, die sich von ihrer Forschung die Heilung von Krankheiten wie Multiple Sklerose, Diabetes und Parkinson erhoffen? Mit welchem Recht ist eine Frau zu verurteilen, die alle Hebel in Bewegung setzt, um schließlich doch noch zu dem lang ersehnten Wunschkind zu gelangen?

Wie in anderen Fällen wollten auch hier Ärzte ihren Patienten helfen. Sie haben geholfen, indem sie zunächst einmal auf dem mühsamen Wege wissenschaftlicher Forschung das Wunder des Lebens und der Entstehung des menschlichen Lebens zu erhellen suchten.

Und dennoch: Ganz verdrängen können wir es nicht, das mulmige Gefühl, das uns beschleicht, wenn wir von spektakulären Entdeckungen gerade im Bereich der Reproduktionsmedizin hören. Vielleicht ist es auch nur gut, wenn wir dieses Gefühl nicht ganz verdrängen, wenn nicht alle Themen, die gesellschaftlich und weltanschaulich bis vor kurzem noch einem strengen Tabu unterworfen waren, ihrer Unerklärlichkeit beraubt werden.

„88ZZ69B“ ist ein Plädoyer für einen behutsamen Umgang mit Fragen, die uns alle über kurz oder lang beschäftigen werden. Die Geschichte vom „kalten Karl“, der auf die Suche nach seinen genetischen Eltern geht und dabei in der Welt der Samenspender und Eilieferantinnen, der Retortenbabys und Leihmütter landet, hat uns berührt. Wir haben beschlossen aus dieser Geschichte ein Theaterstück zu schreiben. Was daraus entstanden ist, hat mit dem Jugendbuch „Geboren 1999“, das uns als Vorlage diente, nicht mehr viel zu tun. Dafür sprechen wir, verehrtes Publikum, heute Abend von Kommunikationslosigkeit, von jener Kommunikationslosigkeit, die zwischen Vertretern der verschiedensten Meinungsrichtungen herrscht. Was sich dort abspielt, verdient den Begriff Menschenwürde tatsächlich nicht. Hier geht es nur noch um das Verteidigen der eigenen Position, um das zähe Festhalten von Vorstellungen, die letztlich nur den eigenen Interessen dienen.


Béatrice Costa



Besetzung

 

Annika Achter:



Ullrich (Karls Vater)

Maja Bilandzija:

Brigitte (Karls Mutter)

Tobias Brenner:

Herr von Richthofen (Gründer der Richthofen-Versicherungsgruppe)

Friederike Ernst:

Frau Kantelstein-Eckbert (Soziologin)

Carina Giesen:

Frau Groß (Theologin)

Jan Hauffa:

Karl

Karin Kolbe:

Künstlerin

Sarah Neugber:

Sarah (Karls Freundin)

Christoph Ohsenbrügge:

der besorgte Bürger

Marius Orfgen:

Prof. Dr. Orfgen von der Universität Bonn (setzte im Rahmen seiner Forschungstätigkeit zu wiederholten Malen Embryonen ein)

Pauline Sliwa:

unsere Verantwortliche für den Bereich „Technik“/ Film

Vyan Sido:

Moderatorin

Alma Wallraff:

Franziska (Journalistin)

Daniel Wiesendorf:

Herr Wiesendorf (Gewerkschaftler)

 

88-ZZ-69b


Und das soll der Name eines Theaterstücks sein?
Das Kinderbuch "Geboren 1999" von Charlotte Kerner diente uns als inspirierende Vorlage, nach der wir ein eigenes Stück schrieben und inszenierten.

Wir setzten uns dazu mit der bio-ethischen Diskussion um IVF, Präimplantationsdiagnostik und zuletzt auch, als schlimmste Folge mit der Thematik des Klonens und der Menschenzüchtung auseinander.

Wichtig waren für uns die unterschiedlichen Meinungen, da es sowohl zustimmende als auch ablehnende Stimmen gibt. Da wir niemanden eine Meinung aufzwingen wollten, entschieden wir uns für eine Diskussionsrunde, in der die verschiedenen Positionen dargestellt werden sollten. Für diese Diskussionsrunde war eine Gruppe zuständig, die überspitzte Charaktere und deren vertretene Meinung darstellte.

Parallel dazu arbeitete eine weitere Gruppe an der Geschichte Karls, eines 17jährigen, der seine Eltern sucht und in verschiedenen Situationen in seiner Familie und seinem Umfeld herausfindet, dass er als erstes Kind IVF gezeugt und von einer künstlichen Gebärmutter ausgetragen wurde. Bei seiner Identitätssuche findet er heraus, dass er keine Identität hat und auch seine Herkunft im nebulösen Labor seines "Vaters" liegt.

Wie aktuell unser Theaterstück ist, sieht man am Beispiel des italienischen Arztes F. Antinori, der nun, eigenen Angaben zufolge einer Frau einen menschlichen Klon eingepflanzt haben will. Auch sollen amerikanische Wissenschaftler eine künstliche Gebärmutter entwickelt haben, in der menschliche Embryonen schon drei Wochen überlebt haben sollen.

 

In der Woche nach den Osterferien (am 11. und 12. April) führten wir unser Theaterstück auf, nachdem wir Dienstag und Mittwoch abermals intensivst geprobt hatten.

Die Premiere verlief gut und mit der zweiten Aufführung waren wir überaus zufrieden. Die Arbeit, die wir in dieses Stück investierten, hat sich gelohnt.

 


Annika Achter, 13e


Kurslehrerin: Béatrice Costa