Treffpunkt S E H N S U C H T

 
Eine Aufführung des Literaturkurses der
Stufe 12: Die Vorbereitungen
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„Ich sehne mich und weiß nicht recht, nach was“. Dieses Zitat stammt aus einem kurzen Gedicht Eduard Mörikes und gibt einem unbestimmten, sehnsüchtigen Verlangen Ausdruck. Verwendung fand der Fünfzeiler mit dem Namen „Im Frühling“ bei der diesjährigen Eigenproduktion des Literaturgrundkurses der Jahrgangsstufe 12 der Jugenddorf-Christophorus Schule, unter der künstlerischen Leitung von Ruth Schneider, Lehrerin für Deutsch, Philosophie und Literatur.
 
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Mit den verschiedensten Mitteln- kanonisierter Lyrik, eigenen Texten, Musik und Bewegungschoreographie-, spürten die zwölf Darsteller gelungen dem Gefühl der Sehnsucht und seinen verschiedenen Nuancen nach. Da sich dieses komplexe Gefühl nicht ganz einfach greifen lässt und in den unterschiedlichsten Schattierungen präsentiert, hatten die Schüler ihre Darstellung in verschiedene thematische Einheiten unterteilt, wie Erwartung, Fülle und Trauer. Illuminiert wurde der jeweils dargestellte Gemütszustand durch einen Mond auf dem, jeweils passend zur Darstellung, verschiedene Motive projiziert wurden.
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Yvonne Geef aus der Jahrgangsstufe 13 (Abi 2002) führte im Anschluss an die Darbietung ein selbst geschriebenes Stück mit dem Titel „Morgen“ auf. Es thematisiert die Frage der Identitätssuche, als ein Beispiel nennt die Abiturientin die berufliche Identität, die für sie und in ihrem Freundeskreis zur Zeit natürlich von besonderer Aktualität ist.
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  © Martin Ochmann, Bonner Rundschau  

Schüler untersuchen das Phänomen Sehnsucht

Die Eigeninszenieriung und das Solostück des CJD-Literaturkurses begeistern das Publikum. Schüler stellten das Thema Sehnsucht mit verschiedenen Mitteln gekonnt dar.
Ich sehne mich und weiß nicht recht, nach was." Dieses Gefühl, das den Dichter Eduard Mörike vor mehr als 150 Jahren in seinem berühmten Gedicht "Im Frühling" beschäftigte, kann wohl auch heute noch jeder nachvollziehen. Wie facettenreich Sehnsucht sein kann, haben die Schülerinnen und Schüler des Literaturgrundkurses des CJD-Gymnasiums in Königswinter in ihrem Theaterstück "Treffpunkt Sehnsucht" zum Ausdruck gebracht.


Die Eigenproduktion der insgesamt 25 Mitwirkenden unter Leitung von Ruth Schneider hatte am Mittwochabend Premiere und wurde vom Publikum kritisch, aber begeistert gefeiert. Seit August vergangenen Jahres haben sich die Jungtalente ausführlich mit dem Thema auseinandergesetzt und es anhand von Bewegungschoreografien, Gesang, Instrumentalmusik, selbstverfassten Texten sowie klassischer und moderner Lyrik umzusetzen versucht, erklärte Ruth Schneider. Die Lehrerin für Deutsch, Philosophie und Literatur zeigte sich mit dem Ergebnis "trotz einiger Pannen sehr zufrieden".

Schließlich war eine solche Eigeninszenierung nicht einfach: "Es hat sich als schwieriger herausgestellt als ein fertiger Text", sagte Moritz Ingwersen, einer der Schauspieler. Eindrucksvoll zeigten die jungen Darsteller die Bedeutungsvielfalt von Sehnsucht: Während sich der eine nach der Erfüllung von Idealen wie Gerechtigkeit und Freiheit sehne, wünsche sich ein anderer ein trautes Heim, Kinder, Zärtlichkeit, Liebe und Treue.

Einige auf einen großen Mond im Hintergrund projizierte Gemälde unter anderem von Caspar David Friedrich, Dali und Michelangelo zeigten das Motiv Sehn­sucht über die Kunst. Mit Klarinette, Saxophon, Piano, Gitarre und Geige interpretierten die Darsteller sehnsuchtsvoll ei­ne Melodie des Kinofilms "Jenseits der Stille". Den roten Faden des Bühnenstücks bildete ein Koffer, den jeder der Akteure mit sich trug: Jeder Mensch befinde sich auf einer Reise auf der Suche nach der Sehnsucht, erklärten die Schüler die Bedeutung des Koffers. "Wir reisen alle im gleichen Zug zur Gegenwart in spe", heißt es dazu in. Erich Kästners "Eisenbahngleichnis".

"Sehnsucht nach Identitätsfindung" könnte indes der Untertitel des zweiten an diesem Abend aufgeführten Theaterstückes heißen. Die Soloinszenierung "morgen" von Yvonne Geef behandelte die Schwierigkeit vieler junger Menschen, den richtigen Beruf zu finden. Auf teils lustige, teils dramatische Weise zeigte die Autorin, Regisseurin und Schauspielein in einer Person Vor- und Nachteile der Berufswelt und zog das Fazit: "Ich möchte ich selbst sein, den ganzen Tag und die ganze Nacht lang." Für sich hat die 19-Jährige, die Literatur als fünftes Abiturfach als eine Art Zusatzleistung nehmen kann, schon den richtigen Beruf gefunden: Sie wolle Regisseurin werden, erklärte die Schülerin. Ihr Debüt wurde jedenfalls bereits mit Jubel und Applaus gefeiert.

Von Susanne Schmetkamp© www.general-anzeiger-bonn.de (15. März 2002)



Kurslehrerin: Ruth Schneider

Fotos: Tobias Mayer