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Acht Teilnehmer (vier Mädchen, vier Jungen, alle zwischen
15 und 18)
Begleitung: Heike Trumpa, Japanisch-Lehrerin am CJD
Startpunkt der Reise war der Busbahnhof für Flughafenbusse
in der Nähe des Bonner Bahnhofs. Nachdem sich dort alle bis 15.45
eingefunden hatten, ging es mit dem Shuttle Bus der Korean Air zum Frankfurter
Flughafen. Abflug war um 19.45; die reine Flugzeit bis Seoul/Inchoen betrug
nur 10 Stunden, doch durch den Weiterflug und die Zeitverschiebung (+
7 h) kam die Gruppe erst am Nachmittag des nächsten Tages am Flughafen
Osaka an. Mit zwei Regionalzügen und dem Bus erreichten alle am Abend
die Jugendherberge in Kyoto. Auf dem Weg konnten bereits einige Phänomene
verarbeitet werden: eine enorme Schwüle, eine triste
Großstadtkulisse sowie die Rush hour.
In der JH blieb die Gruppe vier Nächte (bis 1. September), und zwar
in zwei Zimmern à fünf Betten. Besonderheit dieser JH: eine
Lautsprecherdurchsage jeden Morgen um 6.40 mit Morgengruß, Wettervorhersage,
diversen Informationen zum Auschecken u. ä., vorgebracht von der
ungefähr 90jährigen Hausherrin, und natürlich auf Japanisch.
Die Verpflegung war sehr gut, und am zweiten Morgen wagten sich alle sogar
an ein japanisches Frühstück (Reis, Algen, Fisch, Suppe).
Das Besichtigungsprogramm der ersten beiden Tage umfasste die wichtigsten
Sehenswürdigkeiten Kyotos: Kiyomizu-Tempel (zu dem ein Gässchen
führt, das von Andenken-Läden gesäumt ist), Heian-Schrein,
Silberner und Goldener Tempel, Steingarten, Schloß des Shogun. Das
Mittagessen fand in kleinen Restaurants statt, wo zum ersten Mal auf dem
Boden gegessen wurde und die ersten Schlürfgeräusche unternommen
wurden. An den Abenden gingen die SchülerInnen in kleineren Gruppen
aus und vergnügten sich wie japanische Schüler an Fotoautomaten,
so genannten Puri-kura, die es ermöglichen, aufgenommene
Fotos im Nachhinein zu verschönern. In Kyoto kam übrigens
auch die Idee auf, für das Benutzen einiger Schimpfwörter in
der Öffentlichkeit 100 Yen (= 1 €) in eine Art Gruppenkasse
zu zahlen. Die recht beachtliche Summe wurde für das spätere
gemeinsame Waschen verwendet. Außerdem schaffte es die Gruppe, während
der zehntägigen Reise fast 80 Punkte für ein Preisausschreiben
von Coca Cola zu sammeln (1 Flasche/Dose = 1 Punkt) und hofft natürlich
auf einen Gewinn. ?
Für den dritten Tag stand Nara, die erste Hauptstadt Japans, auf
dem Programm. Für die Reise mit dem Zug mußte übrigens
nicht mehr bezahlt werden, da an diesem Tag erstmals der Japan Rail Pass
eingesetzt wurde. Nach einem kurzen Einkaufsbummel durchstreifte die Gruppe
den Park und fütterte hungrige bis dreiste Rehe, um sich daraufhin
den Todai-ji anzusehen: die größte Holzkonstruktion Asiens,
die eine riesige Bronze-Buddhastatue beherbergt. In dieser Halle quetschten
sich übrigens zwei Schüler durch eine Öffnung in einer
Säule, die das Nasenloch Buddhas symbolisieren soll, und wurden dafür
von den umstehenden Japanern mit Beifall bedacht. Abschließend erwarb
die Gruppe einen künftigen Dachziegel und beschriftete ihn per Pinsel
auf japanisch mit Namen und Datum. Auf dem Rückweg zum Bahnhof eine
besondere Attraktion: ein Umzug, an dem Tanzgruppen (halb traditionell,
halb modern ausstaffiert) teilnahmen und fast eine karnevalistische Stimmung
aufkommen ließen!
Am 1. September startete die Gruppe mit dem Superschnellzug Shinkansen
(285 km/h!) nach Himeji, wo das berühmteste Schloß Japans erklommen
wurde (immerhin bis in den 6. Stock!).
Abends kam die Gruppe in der JH Hiroshima an, die wegen ihres minderen
Standards bei einigen lange Gesichter hervorrief. Kakerlaken im Speisesaal
und anderswo sowie ein Haar im Essen taten das übrige. Da das Essen
aber an sich sehr gut war und am zweiten Abend nur für uns gekocht
wurde (z.Tdeutsches Essen wie Kartoffelpüree!), besserte
sich die Stimmung aber langsam wieder. Die Jungen schliefen in dieser
JH übrigens erstmals auf Futons, die auf den Tatamis (Reisstrohmatten)
ausgelegt wurden.
Der nächste Tag galt der Besichtigung der Insel Miyajima, die per
Bahn und Fähre erreicht wurde. Berühmt ist sie für das
ihr vorgelagerte rote Schreintor, das im Wasser steht, und für den
am Ufer angelegten Schrein. Nach dem Mittagessen teilte sich die Gruppe:
einige versuchten (vergeblich) den Gipfel des Berges auf der Inselmitte
zu erreichen, andere gingen ins Museum oder ins Aquarium.
Am letzten Abend in Hiroshima saß die Gruppe noch lange im Speisesaal
beisammen und unterhielt sich und andere Anwesende (Japaner wie ausländische
Touristen).
Am darauf folgenden Tag standen der Peace Memorial Park und das Friedensmuseum
auf dem Programm, wo auf sehr eindringliche-anschauliche Weise das Schicksal
der Stadt (Abwurf der Atombombe am 6. August 1945) dargestellt wird.
Nach dem Mittagessen (bei Mc Donalds, wo es tatsächlich japanisch
angehauchte Hamburger gibt!) ging es weiter nach Fukuoka, dem südlichsten
Punkt der Reise. Wie groß die Erleichterung, diese Nacht in einem
Business Hotel, das einen Teil der Zimmer für die Jugendherberge
zur Verfügung stellt, verbringen zu können! Abends stand ein
Ausflug in das Nachtleben an, das in Japan wegen des frühen
Einbruchs der Dunkelheit bereits um 18.30 beginnt. Am Ufer des Flusses
aßen alle an urigen Buden eine Nudelsuppe und durchstreiften noch
das durch Neonwerbungen sehr lebendig wirkende Viertel im Zentrum der
Stadt. Der Abend wurde dann im Hotel beschlossen.
Nach dem Frühstück am Buffet fuhr die Gruppe nach Shikoku, der
kleinsten der vier Hauptinseln. Dabei fuhr der Zug über die längste
Brücke der Welt, um dann irgendwo auf dem Lande anzuhalten. Mit dem
ganzen Gepäck auf dem Rücken fragte sich die Gruppe durch den
Ort und kam sich vor wie ein Wanderzoo, weil doch viele Japaner
nicht an Ausländer gewöhnt zu sein schienen. Höhepunkt
des Nachmittages: 220 Stufen hoch zur Tempel-Jugendherberge! Doch alle
wurden wunderbar entschädigt: traditionell japanische Architektur,
der Blick aufs Meer und der Hausherr, ein buddhistischer Priester, der
der Gruppe seine ganze Gastfreundschaft zukommen ließ. So durfte
die ganze obere Etage der JH mit allen Tatami-Räumen genutzt werden.
Weiter konnten alle am nächsten Tag an einer buddhistischen Zeremonie
teilnehmen, nach der der Priester eine Rede mit Lobpreisungen auf die
deutsch-japanischen Beziehungen hielt. Mittags wurden sechs der Gruppe
zu einem wirklich wunderschönen Strand chauffiert und danach in ein
Onsen (Bad mit heißen Quellen) der Luxusklasse sowie zum Mittagessen
eingeladen. Das am ersten Abend vom Priester mit seiner Digital-Kamera
geschossene Foto wurde übrigens auch für alle ausgedruckt und
verschenkt.
Die Gruppe traf sich dann noch einmal am letzten Nachmittag, um intensiv
den Aufenthalt in der Gastfamilie vorzubereiten und die Gruppen-T-Shirts
von allen zu unterschreiben.
Am 6. September stand die Reise nach Tokyo an. Der Priester und seine
Tochter brachten alle zum Bahnhof, von wo der Zug nach Okayama, dem Umsteigebahnhof
für den Shinkansen nach Tokyo, bald abfuhr. Durch ein Versehen wurde
dann aber der Wagen, in dem ein Schüler und die Begleiterin saßen,
von den anderen abgekoppelt! Erst nach einer Weile waren dann alle in
Okayama wieder vereint, und die Reise nach Tokyo konnte mit leichter Verspätung
fortgesetzt werden. Auch hier hat sich letztlich wieder bestätigt:
in Japan geht niemand verloren!
Die Japanische Fremdenverkehrszentrale in Frankfurt war so freundlich
gewesen, die Vermittlung der Homestay-Plätze zu organisieren. Die
Stadt Yamato in der Nähe von Yokohama hatte sich bereit erklärt,
Familien zu suchen, und organisierte perfekt das Zusammentreffen mit diesen
und den Schülern.
Der Homestay dauerte von Samstag nachmittag bis Dienstag in der Früh
und wurde von allen Schülern sehr positiv gewertet: vor allem die
Gastfreundschaft wird lange in Erinnerung bleiben. Im einzelnen war die
Gestaltung des Aufenthalts natürlich sehr unterschiedlich, aber alle
gewannen einen wertvollen Einblick in den familiären Alltag und wurden
sehr herzlich aufgenommen. Einige SchülerInnen wären sogar gerne
noch länger geblieben!
Die Heimreise begann am 9. September um 4.52 und umfasste mehrere Etappen,
so dass die Gruppe insgesamt 24 Stunden zurück brauchte. Erst abends
um 21 Uhr desselben Tages wurden alle von ihren Eltern am Busbahnhof Bonn
wieder in Empfang genommen. Doch alle waren sich einig: Japan ist eine
Reise wert! Und wer weiß: vielleicht wird es für einige auch
nicht die letzte gewesen sein!
Heike Trumpa, Japanisch-Lehrerin
Bilder
der Japanfahrt auf der Internet-Seite der Stadt Yamato: hier klicken
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