Japan-Reise vom 27. August – 9. September 2003

Acht Teilnehmer (vier Mädchen, vier Jungen, alle zwischen 15 und 18)
Begleitung: Heike Trumpa, Japanisch-Lehrerin am CJD

Startpunkt der Reise war der Busbahnhof für Flughafenbusse in der Nähe des Bonner Bahnhofs. Nachdem sich dort alle bis 15.45 eingefunden hatten, ging es mit dem Shuttle Bus der Korean Air zum Frankfurter Flughafen. Abflug war um 19.45; die reine Flugzeit bis Seoul/Inchoen betrug nur 10 Stunden, doch durch den Weiterflug und die Zeitverschiebung (+ 7 h) kam die Gruppe erst am Nachmittag des nächsten Tages am Flughafen Osaka an. Mit zwei Regionalzügen und dem Bus erreichten alle am Abend die Jugendherberge in Kyoto. Auf dem Weg konnten bereits einige Phänomene „verarbeitet“ werden: eine enorme Schwüle, eine triste Großstadtkulisse sowie die Rush hour.
In der JH blieb die Gruppe vier Nächte (bis 1. September), und zwar in zwei Zimmern à fünf Betten. Besonderheit dieser JH: eine Lautsprecherdurchsage jeden Morgen um 6.40 mit Morgengruß, Wettervorhersage, diversen Informationen zum Auschecken u. ä., vorgebracht von der ungefähr 90jährigen Hausherrin, und natürlich auf Japanisch. Die Verpflegung war sehr gut, und am zweiten Morgen wagten sich alle sogar an ein japanisches Frühstück (Reis, Algen, Fisch, Suppe).
Das Besichtigungsprogramm der ersten beiden Tage umfasste die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Kyotos: Kiyomizu-Tempel (zu dem ein Gässchen führt, das von Andenken-Läden gesäumt ist), Heian-Schrein, Silberner und Goldener Tempel, Steingarten, Schloß des Shogun. Das Mittagessen fand in kleinen Restaurants statt, wo zum ersten Mal auf dem Boden gegessen wurde und die ersten Schlürfgeräusche unternommen wurden. An den Abenden gingen die SchülerInnen in kleineren Gruppen aus und vergnügten sich wie japanische Schüler an Fotoautomaten, so genannten „Puri-kura“, die es ermöglichen, aufgenommene Fotos im Nachhinein zu „verschönern“. In Kyoto kam übrigens auch die Idee auf, für das Benutzen einiger Schimpfwörter in der Öffentlichkeit 100 Yen (= 1 €) in eine Art Gruppenkasse zu zahlen. Die recht beachtliche Summe wurde für das spätere gemeinsame Waschen verwendet. Außerdem schaffte es die Gruppe, während der zehntägigen Reise fast 80 Punkte für ein Preisausschreiben von Coca Cola zu sammeln (1 Flasche/Dose = 1 Punkt) und hofft natürlich auf einen Gewinn. ?
Für den dritten Tag stand Nara, die erste Hauptstadt Japans, auf dem Programm. Für die Reise mit dem Zug mußte übrigens nicht mehr bezahlt werden, da an diesem Tag erstmals der Japan Rail Pass eingesetzt wurde. Nach einem kurzen Einkaufsbummel durchstreifte die Gruppe den Park und fütterte hungrige bis dreiste Rehe, um sich daraufhin den Todai-ji anzusehen: die größte Holzkonstruktion Asiens, die eine riesige Bronze-Buddhastatue beherbergt. In dieser Halle quetschten sich übrigens zwei Schüler durch eine Öffnung in einer Säule, die das Nasenloch Buddhas symbolisieren soll, und wurden dafür von den umstehenden Japanern mit Beifall bedacht. Abschließend erwarb die Gruppe einen künftigen Dachziegel und beschriftete ihn per Pinsel auf japanisch mit Namen und Datum. Auf dem Rückweg zum Bahnhof eine besondere Attraktion: ein Umzug, an dem Tanzgruppen (halb traditionell, halb modern ausstaffiert) teilnahmen und fast eine karnevalistische Stimmung aufkommen ließen!
Am 1. September startete die Gruppe mit dem Superschnellzug Shinkansen (285 km/h!) nach Himeji, wo das berühmteste Schloß Japans erklommen wurde (immerhin bis in den 6. Stock!).
Abends kam die Gruppe in der JH Hiroshima an, die wegen ihres minderen Standards bei einigen lange Gesichter hervorrief. Kakerlaken im Speisesaal und anderswo sowie ein Haar im Essen taten das übrige. Da das Essen aber an sich sehr gut war und am zweiten Abend nur für uns gekocht wurde (z.T„deutsches“ Essen wie Kartoffelpüree!), besserte sich die Stimmung aber langsam wieder. Die Jungen schliefen in dieser JH übrigens erstmals auf Futons, die auf den Tatamis (Reisstrohmatten) ausgelegt wurden.


Der nächste Tag galt der Besichtigung der Insel Miyajima, die per Bahn und Fähre erreicht wurde. Berühmt ist sie für das ihr vorgelagerte rote Schreintor, das im Wasser steht, und für den am Ufer angelegten Schrein. Nach dem Mittagessen teilte sich die Gruppe: einige versuchten (vergeblich) den Gipfel des Berges auf der Inselmitte zu erreichen, andere gingen ins Museum oder ins Aquarium.
Am letzten Abend in Hiroshima saß die Gruppe noch lange im Speisesaal beisammen und unterhielt sich und andere Anwesende (Japaner wie ausländische Touristen).
Am darauf folgenden Tag standen der Peace Memorial Park und das Friedensmuseum auf dem Programm, wo auf sehr eindringliche-anschauliche Weise das Schicksal der Stadt (Abwurf der Atombombe am 6. August 1945) dargestellt wird.
Nach dem Mittagessen (bei Mc Donalds, wo es tatsächlich japanisch angehauchte Hamburger gibt!) ging es weiter nach Fukuoka, dem südlichsten Punkt der Reise. Wie groß die Erleichterung, diese Nacht in einem Business Hotel, das einen Teil der Zimmer für die Jugendherberge zur Verfügung stellt, verbringen zu können! Abends stand ein Ausflug in das „Nachtleben“ an, das in Japan wegen des frühen Einbruchs der Dunkelheit bereits um 18.30 beginnt. Am Ufer des Flusses aßen alle an urigen Buden eine Nudelsuppe und durchstreiften noch das durch Neonwerbungen sehr lebendig wirkende Viertel im Zentrum der Stadt. Der Abend wurde dann im Hotel beschlossen.
Nach dem Frühstück am Buffet fuhr die Gruppe nach Shikoku, der kleinsten der vier Hauptinseln. Dabei fuhr der Zug über die längste Brücke der Welt, um dann irgendwo auf dem Lande anzuhalten. Mit dem ganzen Gepäck auf dem Rücken fragte sich die Gruppe durch den Ort und kam sich vor wie ein „Wanderzoo“, weil doch viele Japaner nicht an Ausländer gewöhnt zu sein schienen. Höhepunkt des Nachmittages: 220 Stufen hoch zur Tempel-Jugendherberge! Doch alle wurden wunderbar entschädigt: traditionell japanische Architektur, der Blick aufs Meer und der Hausherr, ein buddhistischer Priester, der der Gruppe seine ganze Gastfreundschaft zukommen ließ. So durfte die ganze obere Etage der JH mit allen Tatami-Räumen genutzt werden. Weiter konnten alle am nächsten Tag an einer buddhistischen Zeremonie teilnehmen, nach der der Priester eine Rede mit Lobpreisungen auf die deutsch-japanischen Beziehungen hielt. Mittags wurden sechs der Gruppe zu einem wirklich wunderschönen Strand chauffiert und danach in ein Onsen (Bad mit heißen Quellen) der Luxusklasse sowie zum Mittagessen eingeladen. Das am ersten Abend vom Priester mit seiner Digital-Kamera geschossene Foto wurde übrigens auch für alle ausgedruckt und verschenkt.
Die Gruppe traf sich dann noch einmal am letzten Nachmittag, um intensiv den Aufenthalt in der Gastfamilie vorzubereiten und die Gruppen-T-Shirts von allen zu unterschreiben.
Am 6. September stand die Reise nach Tokyo an. Der Priester und seine Tochter brachten alle zum Bahnhof, von wo der Zug nach Okayama, dem Umsteigebahnhof für den Shinkansen nach Tokyo, bald abfuhr. Durch ein Versehen wurde dann aber der Wagen, in dem ein Schüler und die Begleiterin saßen, von den anderen abgekoppelt! Erst nach einer Weile waren dann alle in Okayama wieder vereint, und die Reise nach Tokyo konnte mit leichter Verspätung fortgesetzt werden. Auch hier hat sich letztlich wieder bestätigt: in Japan geht niemand verloren!
Die Japanische Fremdenverkehrszentrale in Frankfurt war so freundlich gewesen, die Vermittlung der Homestay-Plätze zu organisieren. Die Stadt Yamato in der Nähe von Yokohama hatte sich bereit erklärt, Familien zu suchen, und organisierte perfekt das Zusammentreffen mit diesen und den Schülern.
Der Homestay dauerte von Samstag nachmittag bis Dienstag in der Früh und wurde von allen Schülern sehr positiv gewertet: vor allem die Gastfreundschaft wird lange in Erinnerung bleiben. Im einzelnen war die Gestaltung des Aufenthalts natürlich sehr unterschiedlich, aber alle gewannen einen wertvollen Einblick in den familiären Alltag und wurden sehr herzlich aufgenommen. Einige SchülerInnen wären sogar gerne noch länger geblieben!
Die Heimreise begann am 9. September um 4.52 und umfasste mehrere Etappen, so dass die Gruppe insgesamt 24 Stunden zurück brauchte. Erst abends um 21 Uhr desselben Tages wurden alle von ihren Eltern am Busbahnhof Bonn wieder in Empfang genommen. Doch alle waren sich einig: Japan ist eine Reise wert! Und wer weiß: vielleicht wird es für einige auch nicht die letzte gewesen sein!

Heike Trumpa, Japanisch-Lehrerin

Bilder der Japanfahrt auf der Internet-Seite der Stadt Yamato: hier klicken