
Programmheft
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Wenn Schulleiter Johannes Heide Salsa
tanzt
47 Schüler und 20 Lehrer des CJD beteiligen sich
am dem selbst entwickelten Musical Dos mundos contrarios - Zwei
Welten, eine Straße". Der Erlös ist für Straßenkinder
bestimmt
Plötzlich rappelt es im Karton. Arme recken sich
empor. Kinder kriechen aus den Pappschachteln. Die Mädchen und
Jungen haben wirre Haare, sie sind dreckverschmiert und gähnen,
weil sie nach der Nacht in ihrem unbequemen Bett" immer noch
müde sind. Eine Straßenszene in Südamerika: verlegt
auf die Bühne des CJD. Die Musical-AG der Christophorusschule nahm
sich des Schicksals der Straßenkinder in Entwicklungsländern
an. Dos mundos contrarios - Zwei Wellen, eine Straße"
heißt das Stück.
Wir sind die Kinder des Drecks, wir sind verloren, sind auf der
Straße geboren, wir sind der Abschaum der Welt", singen die
Kinder ohne Hoffnung. Regisseurin Angela Neuhaus hatte selbst einmal
ein Jahr lang unentgeltlich in einem Waisenhaus in Südamerika gearbeitet.
Die Lehrerin für Biologie und Erdkunde mit einem Faible für
Musik kennt den extremen Kontrast zwischen dem harten Schicksal von
Straßenkindern und dem Luxusleben der Reichen auch von Reisen
dorthin. Hinzu kam noch das Engagement der ehemaligen Jahrgangsstufe
13 für Straßenkinderprojekte. Aus dem persönlichen Schicksal
der Kinder und den mitreißenden Rhythmen südamerikanischer
Musik mixte die AG-Chefin einen packenden Cocktail. Denn: Die CJD-Arbeits-Gemeinschaft
spielt nicht irgendein fertiges Musical, sondern die Regisseurin schreibt
es selbst und die Schüler bringen beim Einstudieren ihre Ideen
ein. Sie dürfen sich die Rollen aussuchen, auch ihre Kostüme.
Es macht Spaß, viele Schüler aus verschiedenen Jahrgängen
sind dabei, singen, schauspielern oder trommeln", erzählt
Caspar Rüter (12), der ein Straßenkind mimt. Am Anfang
des Schuljahres fand ein Casting für die Musical-AG statt",
berichtet Marian Lehnberg (11), im Stück Straßenkind Sandro.
Wir haben viel Neues gelernt, auch Filme über Straßenkinder
gesehen, um uns gut in die Atmosphäre hineinversetzen zu können."
Das gelingt wirklich allen Akteuren, die sich aus den Klassen 6 bis
12 rekrutieren. 47 Schüler und auch 20 Lehrer mischen mit. Da tanzt
etwa Schulleiter Johannes Heide Salsa, und Lehrer Christoph Heimbach
singt mit Karina Claus aus Klasse 11 Time of my life".
Angela Neuhaus erteilte dazu in den vergangenen Monaten auch Gesangsunterricht:
mit hörbarem Erfolg. Für die Choreografie zeichnet Sabine
Euskirchen verantwortlich, die Biologie und Sport unterrichtet und mit
den Akteuren die Tänze einstudierte. Da gibt es neben Hip-Hop und
Techno auch Ballett zum Schwanensee". Stets passend zur Situation,
erfrischend und gekonnt.
Im Musical überschlagen sich die Ereignisse. Zwei Studentinnen
und eine vom Urlaubskonsum gelangweilte Gruppe von Touristinnen verlassen
das sichere Hotelgelände, geraten in die Slums. Plötzlich
Kreischen, die Studentinnen werden beraubt. Die Touristinnen gelangen
zwischen zwei rivalisierende Straßenkindergruppen. Die
Polizei trifft ein. Brutal packen sie die Kinder, aber auch zwei der
Fremden. Die Bühne verwandelt sich in ein Gefängnis. Schläge
hinter Gittern bei Wasser und Brot auf der einen Seite, das Luxusleben
mit Unterhaltung am Pool, Tanz und Cocktails unter der Regie von Hotelmanagerin"
Julia Euskirchen (17) auf der anderen.
Dann die Nachricht von der Verhaftung. Verzweiflung. Nachdenken. Touristen
und Straßenkinder tun sich zusammen. Ein Plan wird geboren. Kleider
machen Leute: Die armen Kinder tragen Kleidung der Touristen, treten
in einer Veranstaltung auf. Mit dem Geld sollen die Verhafteten freigekauft
werden. Wir gehören alle zusammen", sagt Sandro. Und
als Lied erklingt At the beginning". Gesungen wird es von
Paula Zmudowski aus Klasse 12, der Mari im Musical. Um sie rankt sich
noch eine wunderschöne Liebesgeschichte. Auf der Straße verliebt
sich Pablo, Max Bahn aus der 11, in sie. Auch er ist ein Straßenkind.
Als er Touristin Karina Claus helfen will, findet sie Gefallen an ihm.
Aber ich bin ja schon verliebt, in Mari", hält Pablo
an dem Mädchen an seiner Seite fest.
An das wirkliche Leben abseits der Bühne denkt die Musical-AG auch:
Alle Einnahmen aus den Auftritten gehen an das Straßenkinder-Hilfsprojekt
Don Bosco.
Roswitha Oschmann, GA
Bonn, 21. Juni 2008
Zwischen Armenviertel und Luxusleben
Musical-AG der CJD-Schule Königswinter zeigt ihr drittes Projekt
Dos mundos contrarios"
Nach den Erfolgen von Backstage" und »Galaxis Mundi"
folgt das lang erwartete dritte Projekt der Musical-AG der Christophorusschule
(CJD) Königswinter unter der Leitung von Angela Neuhaus (Regie)
und Sabine Euskirchen (Choreographie).
Die Idee zu dem Musical Dos mundos contrarios" entstammt
aus dem Engagement der ehemaligen Jahrgangsstufe 13 für Straßenkinderprojekte
in Südamerika. Ich habe ein Jahr lang in Südamerika
gelebt und bin daher mit den harten Schicksalen von Straßenkindern
und dem extremen Kontrast zum Luxusleben der Reichen mehrfach konfrontiert
worden", sagt Angela Neuhaus, der es ein Anliegen war, ein Musical
zu den beiden konträren Welten zu entwickeln.
Die Zuschauer werden von den rund 50 Sängern, Schauspielern, Trommlern
und Tänzern in die Welt von Straßenkindern und Polizeiguerillas,
aber auch in die der verwöhnten Touristen in schicken Hotelanlagen
entführt". Diese beiden Welten, die normalerweise niemals
in Kontakt miteinander kommen, führen zwei Studentinnen und eine
vom Urlaubskonsum gelangweilte Touristinnengruppe zusammen, die sich
auf den Weg aus dem gesicherten Hotelgelände machen.
Auf der Suche nach neuen Abenteuern und Nervenkitzel verschlägt
es sie in die Slums, wo sie lernen, was es bedeutet, auf der Straße
um das bloße Überleben zu kämpfen. Die gemeinsame Erkenntnis
um die Willkür und Brutalität lässt Straßenkinder
und Touristinnen einen Plan entwickeln...
Freuen können sich die Zuschauer auf die Beteiligung von Schülerinnen
und Schülern der Jahrgangsstufen 6 bis 12 und auch wieder der Lehrer,
ohne die die Musical-AG kaum denkbar ist.
Madeleine Majunke, Bonner Rundschau,
21. Juni 2008