Ritter Mauzibauz: Musicalprojekt der Jahrgangsstufe 5

„Es war ein kalter Winter auf Burg Rosenau“ – Mit diesen Worten beginnt ein Lied des Musicals „Ritter Mauzibauz“, das seit Beginn des ersten Halbjahres 2006/2007 in der Jahrgangsstufe 5 des Gymnasiums mit großer Begeisterung von den Schülern und vom beteiligten Lehrpersonal erarbeitet wird. Wenn man einmal vom „kalten Winter“ absieht, der in diesem Jahr lange auf sich warten ließ, ist die Szenerie des Musicals für die Bewohner des schönen Siebengebirges in greifbarer Nähe: Der Drachenfels, die Burg Rosenau und der Petersberg sind in diesem Stück von Petra Willnecker in ein spannendes Märchen verwoben, das einen Kater sprechen, Erddrachen Feuer speien und Schneeflocken tanzen lässt.
Als im Sommer letzten Jahres feststand, dass im Stundenplan der Klassen 5 C, D und E eine zusätzliche Schulstunde im Fach Musik geschaffen werden sollte, die den Schülerinnen und Schülern neben dem regulären Unterricht auch die Möglichkeit des praktischen, gemeinsamen Musizierens geben sollte, machte ich mich auf die Suche nach einer Geschichte, die sowohl fantastisch als auch lebensnah war, die an Schauplätzen der Region spielte, aber auch geeignet für Fünftklässler ist. Ich stieß auf die Seite www.rheindrache.de, die eine Sammlung von Märchen und Geschichten aus dem Siebengebirge beinhaltet. Die Geschichte vom „Ritter Mauzibauz“ sprang mir dann sofort ins Auge, da sie Fabelwesen, einen regionalen Bezug und nicht zuletzt eine Botschaft enthielt.
Das Märchen handelt von einem sprechenden Kater (Mauzibauz), der auf der Burg Rosenau lebt und mit ansehen muss, wie der alte Graf der Burg seine Frau und seinen Sohn unverhofft verlässt. Rosamund, die unfreiwillige Burgherrin, wird von Raffgar, dem raffgierigen Lehnsherren, unter dem Vorwand einer versäumten Abgabe an den König (ein Sack Getreide fehlt auf dem Königsdokument) erpresst. Das Dokument, das Raffgar ihr als Beweis vor die Füße wirft, ist in lateinischer Sprache verfasst, die niemand auf der Burg beherrscht. Rosamund ist verzweifelt, denn ihr droht der Rausschmiss aus der Burg, wenn es ihr nicht gelingt, Raffgar als Betrüger zu entlarven. Doch der Kater Mauzibauz trommelt alle seine Freunde zusammen, um Rosamund in ihrer Not zu helfen: Da gibt es einen alten Gelehrten namens Cervisius, der auf dem Petersberg lebt. Er „kann Latein“, doch der Weg zum Petersberg ist völlig eingeschneit. Mauzibauz weiß Rat: die Erddrachen, die um den Petersberg herum leben, speien Feuer und sind somit in der Lage, Mauzibauz und seinen Helfern den Weg „freizuspeien“. Schneeflöckchen, die durch die Luft schwirren, bleiben am Wegesrand als funkelnde Sterne stehen. Cervisius erklärt sich bereit, Rosamund zu helfen und macht sich mit Mauzibauz auf den Weg. Cervisius vergleicht am folgenden Tag die Bücher der Burg und die Königsdokumente und stößt auf ein Indiz, dass Raffgar sie betrogen hat. Da kommt Raffgar auch schon in Begleitung seiner Schergen auf die Burg zugeritten und verlangt den Sack Getreide. Mauzibauz ergreift eine List…
Dass der Kater schlau ist, ist dem Publikum bereits bekannt, doch die Art und Weise, wie er Raffgar nun austrickst, ist unerhört. Sein Mut wird ausgiebig gefeiert und das Märchen endet sogar in einem romantischen Happy-End. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten!
Ich wollte wissen, ob dieses Märchen nun ein mir unbekannt gebliebenes, überliefertes Märchen sei, und nahm Kontakt mit Frau Willnecker auf, die die Seite betreut. Sie freute sich sehr über mein Vorhaben, das Stück, das aus ihrer Feder stammt, als Kindermusical zu vertonen und erwähnte, dass sie selbst Schülerin am Städtischen Gymnasium am Petersberg, der Vorgängerschule der Christophorusschule, gewesen sei, dass sie aber bereits vor Jahren aus dem Siebengebirge weggezogen sei. Sie hat sich sehr über unsere Einladung zur „Uraufführung“ am 24. April 2007 gefreut.
Doch am meisten freuen sich die Schüler der drei Klassen auf diese Aufführung, denn sie sind die eigentlichen Akteure des Musicals. Nachdem alle Schüler entweder im Chor oder im Orchester die einzelnen Nummern einstudiert haben, konnten sie in einem Casting zur Besetzung der Sing- und Sprechrollen ihre Talente unter Beweis stellen. Schülerinnen und Schüler mit besonderen Fähigkeiten im tänzerischen Bereich nahmen mit großer Freude die Rollen der Schneeflöckchen und der Erddrachen an. Eine geeignete Erzählerin wurde ermittelt, die Orchestermusiker bekamen ihre Stimme individuell auf den Leib geschneidert. So hat jeder Beteiligte seine Rolle im Projekt gefunden, ist aber gleichzeitig immer auch ein Mitglied des Chores oder des Orchesters, wenn er nicht auf der Bühne stehen muss.
Nach den ersten Gesamtproben (im Januar 2007) steht für das Betreuerteam, das aus insgesamt sieben Lehrern besteht, fest, dass zwar einerseits noch viel Arbeit vor uns steht, wir aber gleichzeitig wissen, dass das Projekt von einer wundervollen Energie getragen wird, die aus einer Mischung aus Neugier, gegenseitigem Vertrauen und großem Spaß am gemeinsamen Musizieren heraus die Augen der Schüler zum Glänzen bringt.

Luc Rod

Ritter Mauzibauz rettet die Burg Rosenau

Der Komponist und Referendar am CJD Luc Rod setzt seine Idee mit Kindern der Jahrgangsstufe 5 in die Tat um. Die Geschichte basiert auf einem Märchen der früheren Petersberg-Gymnasiastin Petra Willnecker

Drachenfels, Burg Rosenau und Petersberg - drei Wahrzeichen des Siebengebirges. An diesen drei Orten spielt das Musical „Ritter Mauzibauz", das Schüler der Jalirgangsstufe 5 der CJD Christophorusschule in der Aula aufführten. Komponist Luc Rod hatte die Idee zu diesem Projekt und hat es in monatelanger Arbeit in die Tat umgesetzt. Unterstützt wurde er dabei von Ariane Toffel und Rüdiger Brückmann, die den Chor einstudiert haben, aber auch von zahlreichen helfenden Schülern und Lehrern, die die Inszenierung (Stephanie Manz, Anne Rickert), das Bühnenbild und die Kostüme (Angela Neuhaus), die Choreographie (Ellen Kaufmann), die Maske (Jessica Hoffmann, Christoph Wiedenmann, Andrea Klauß), den Ton (Uli Fassbender, Benedikt Mittmann) und die Werbung (Florian Schmilz und die Klasse 5c) übernahmen.
Die Initialzündung zu dem Projekt war eine Geschichte der Autorin Petra Willnecker. Der Luxemburger Rod, der in Köln Musik studiert hat und jetzt als Referendar am CJD arbeitet, suchte für ein Projekt mit den Schülern der Erprobungsstufe eine Geschichte mit lokalem Flair, die auch etwas mit Mittelalter und Märchen zu tun hat. Fündig wurde er schließlich im Inlernet: Auf der Homepage von Petra Willnecker fand er die Geschichte von Kater Mauzibauz, der Burg Rosenau vor den Machenschaften des gierigen Lehnsherren Raffgar rettet und damit auch seine Herzensdame, die Katze Ysabeau, zu beeindrucken vermag, Rod war begeistert von der Geschichte und rannte bei Willnecker offene Türen ein. Die Autorin, die jetzt in Frankfurt lebt, war früher nämlich Schülerin des Petersberggymnasiurns, das in das CJD überging, und unterhält mit www.rheindrache.de eine Homepage im Internet, auf der man allerlei Wissenswertes über das Siebengebirge erfährt. Rod machte sich an die Arbeit: er schrieb das Libretto und komponierte innerhalb eines Monats zehn Lieder. Das Musical sollte von der Jahrgangsstufe 5 aufgeführt werden, die als Erprobungsstute der Orientierung der ehemaligen Grundschüler auf der weiterführenden Schule dienen soll.
„Es ist schön, wenn man in der Erprobungsstufe einen sozialen Zusammenhang hat. Die Schüler lernen sich so kennen", sagt Rod Das fächerübergreifende Projekt - beteiligt waren der Musik-, Sport- und Deutschunterricht - wurde so zu einem sozialen Event, das auch klassenübergreifend Genieinsamkeiten schuf. Neben dem Gerneinschaftsaspekt war es aber auch erklärtes Ziel des Projektes, Stärken und Schwächen der Schüler herauszuarbeiten und sie so zu fördern. Von August bis April dauerte die Probenphase, in der Rod auch zu einer kleinen List griff.
Zunächst lernten alle Beteiligten die Lieder, erst später wurden Solisten für einzelne Teile herausgesucht. So konnte sich keiner verstecken und den Kindern wurde auch die Angst vor dem Auftritt im Rampenlicht genommen: Sie konnten ihre Lieder ja schon. „Manche haben im Laufe der Proben erst ihre -Stimme entdeckt", so Rod. Die beiden Aufführungen waren denn auch rundum gelungen.
Die jungen Solisten waren mit Eifer und Elan bei der Sache, das kritische Publikum war begeistert. Und auch der Autorin hat es sehr gut gefallen: „Vor allen Dingen, wie die alle strahlen", habe ihr imponiert, sagte Petra Willnecker nach der Aufführung, die gleichzeitig auch die letzte gewesen ist. Eine Wiederaufnahme ist derzeit jedenfalls nicht geplant.

© www.general-anzeiger-bonn.de (April 2007), Guido Krawinkel

Fotos von den beiden Aufführungen am 24. April 2007 und den Proben am 19. und 23. April:


Komposition, Leitung und Organisation: Luc Rod
Maske: Jessica Hoffmann, Andrea Klauß, Christoph Wiedenmann
Choreographie, Regie und musikalische Leitung: Rüdiger Brückmann, Ellen Kaufmann, Stephanie Manz und Anne Rickert
Kostüme: Angela Neuhaus
Werbung: Florian Schmitz
Fotos: Tobias Mayer