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Bonn. Das Bonner Geigentalent Sophie Moser ist auf dem besten
Weg, flügge zu werden und Karriere zu machen. Die 18-Jährige, die seit
einem Jahr an der Musikhochschule in Köln studiert, wird im November das
letzte Mal unter der Regie ihrer Mutter auftreten.
In Zukunft wird die Düsseldorfer Künstleragentur Paul Spiegel
Sophie managen. Wie Mutter Nelly Moser sagt, wird es danach wahrscheinlich
längere Zeit keinen Auftritt der viel gelobten Geigerin in Bonn geben.
In der Saison 2003/2004 stehen bereits hochkarätige Auftritte
Sophies im Terminkalender. Sie wird in dieser nächsten Saison auf Einladung
von Daniel Barenboim mit dem Jerusalemer Symphonieorchester auf Tournee
gehen.
Ferner hat sie Konzertzusagen von den Duisburger und Düsseldorfer
Philharmonikern, außerdem ist ein Konzert mit den Berliner Symphonikern
geplant. Auch eine erste CD soll im nächsten Jahr aufgenommen werden.
Eine entsprechende Anfrage ist bereits eingegangen.
Im Sommer 2002 hat Sophie viel Lob aus erfahrenem Mund
geerntet. Zubin Mehta, Chef der Oper in München, schreibt im Juli 2002
in Tel Aviv: "Sophie Moser hat zwei Mal für mich gespielt und mich mit
ihrer Musikalität und technischen Versiertheit sehr beeindruckt. Sie ist
eine äußerst talentierte Geigerin, die sicherlich eine große Karriere
vor sich hat und die jede Hilfe verdient."
Mehta will sich dafür einsetzen, dass die Stradivari-Gesellschaft
in Tokio Sophie eine Geige zur Verfügung stellt. Denn sie ist noch immer
auf eine Siebenachtel-Geige angewiesen, sagt Nelly Moser.
Eine weitere Empfehlung stammt aus der Feder Daniel Barenboims
und ist noch ganz frisch: "Ich habe Sophie Moser im April dieses Jahres
mit großer Begeisterung gehört. Sie besitzt ohne Zweifel großes Talent
und vereint Musikalität und Virtuosität mit einer für ihr Alter erstaunlichen
Reife. Sie verdient jede mögliche Unterstützung auf ihrem Weg."
Eine weitere Empfehlung trägt das Datum 17. Februar 1998.
Sie trägt die Handschrift Yehudi Menuhins, der schon damals erkannt hat,
dass das Potenzial Sophies viel erwarten lässt. Auch für Lorin Maazel,
der inzwischen die Nachfolge von Kurt Masur als Chefdirigent bei den New
Yorker Philharmonikern angetreten hat, ist Sophie keine Unbekannte mehr.
Das Rezital Sophie Mosers in der Redoute umfasst Sonaten
von César Franck, eine Schumann-Phantasie und volkstümliche Stücke von
Manuel de Falla.
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Die Moser-Geschwistei sind allesamt „Jugend
musiziert"-Preisträger. Die Schule unterstützt die Karrieren nach besten
Kräften. Paul Spiegel als Entdecker der hochbegabten Musiker
Wenn vier Geschwister auf die selbe Schule gehen, ist das
schon an sich eine Besonderheit. Wenn diese vier Kinder aber auch noch
allesamt Preisträger im renommierten Wettbewerb „Jugend musiziert" sind,
sollte man die Ohren spitzen. An der Königswinterer Jügenddorf-Christophorusschule
(CJD) gibt es einen solchen Fall: Die Geschwister Moser, ein Quartett
hochtalentierter Nachwuchskünstler der klassischen Musik, das für Aufsehen,
sorgt.
Die älteste Schwester ist bereits prominent: Sophie Moser, erst 18 Jahre
alt, hat als Geigerin den Durchbruch geschafft. Bis vergangenes Jahr war
Sophie am CJD. Dann wurde sie von Paul Spiegel, dem Vorsitzenden des Zentralrates
der Deutschen Juden, entdeckt: „Ich habe sie in eine Veranstaltung in
Düsseldorf geschmuggelt. Als Paul Spiegel sie spielen hörte, hat ihn das
sofort begeistert", erinnert sich Nelly Moser, Sophies Mutter. Inzwischen
hat Spiegel die junge Künstlerin mit dem israelischen Stardirigenten Daniel
Barenboim in Kontakt gebracht. Im nächsten Jahr bricht Sophie zu einer
großen Welttournee mit dem Symphonieorchester aus Jerusalem auf.
Nelly Moser, die selbst als Musiklehrerin ausgebildet ist, hat sich der
Förderung ihrer Kinder verschrieben - mit großem Enthusiasmus. Das gilt
auch für die drei jüngeren: die 17-jährige Adele, den 14:jährigen Alwin
und die 13-jährige Pauline. Alle vier Geschwister sind vielversprechende
Musiker - und inzwischen auch alle in Paul Spiegels Künstleragentur unter
Vertrag.
Noch drücken Adele, Alwin und Pauline am CJD die Schulbank. Schulleiter
Hans Joachim Gardyan weiß allerdings, dass der Umgang mit den musischen
Talenten ein ganz besonderer „Eiertanz" ist. „Wichtig ist uns, dass wir
die schulische Ausbildung der Kinder mit einer hochkarätigen musikalischen
Schulung kompatibel machen", beschreibt Gardyan. Das bedeutet in der Praxis:
Die Lehrer nehmen bei den drei Moser-Kindern Rücksicht auf Konzert- und
Übungsbetrieb, erlauben Freiräume und helfen bei Vor- und Nachbereitung,
damit auch die schulische Leistung stimmt. Denn auch für zukünftige Stars
ist ein Schulabschluss eine notwendige Sicherheit.
„Ich beschäftige mich in der Freizeit mit meinen Schlangen. Die gehören
zwar zu der selben Art, haben aber unterschiedliche Charaktere", hat Adele
in ihrem Terrarium beobachtet. Die Beobachtung bei den Reptilien gilt
ihrer Meinung nach auch für ihre Geschwister: Vier Jugendliche mit vergleichbaren
Begabungen, vier unterschiedliche Charaktere. Ihr Bruder bevorzugt den
Funsport: Auf Snake-oder Skateboard ist er unterwegs und hört dazu am
liebsten Punk-Musik. Die Jüngste im Bunde, Pauline, trifft sich am liebsten
mit ihren Freundinnen zum Plausch. Neben den Hobbys ist viel Disziplin
verlangt. Täglich muss geprobt werden, oft engagiert Mutter Moser Dozenten
zur intensiven Förderung. „Wenn ich Lehrer nehme, sind das die besten",
verkündet sie anspruchsvoll. „Das Üben ist zwar anstrengend, aber macht
auch sehr viel Spaß", findet Adele. Ihre Mutter ergänzt: „Die Leute sollen
nicht denken: »Arme Kinder, die hatten keine Wahl«."
Eine Wahl haben Pauline, Alwin und Adele beispielsweise bei der Form ihrer
Betätigung. Zwar hat ihre Mutter sie schon früh zum Musizieren gebracht,
weil sie das Talent entdeckte. Doch haben die Kinder auch Erfahrungen
mit Stepptanz oder Schauspiel gemacht. Pauline beispielsweise hat sich
als hübsches Fotomodell in Szene gesetzt. Adele hofft auf die Hauptrolle
in einer ARD-Vorabendserie, für die sie sich gerade vorgestellt hat.
Damit die jungen Künstler ihr Talent ausleben können muss neben der Kooperationsbereitschaft
der Schule auch das nötige Geld vorhanden sein. Schulleiter Gardyan bemerkt
kritisch: „Ich musste erfahren, dass für eine musikalische Spitzenausbildung
ein reiches Elternhaus notwendig ist". Für die Mosers ist das ein Problem:
Das Talent enorm, die Fördermittel nur schwer zu ergattern. Deswegen hat
sich das CJD auch hier zur Hilfe entschlossen, der Schulträger hat einen
Fonds . eingerichtet. „Wir betätigen uns bei der Organisation der Auftritte
und investieren die Einnahmen vollständig in die musikalische Karrieren",
berichtet Gardyan. Damit nicht nur Sophie, sondern auch die drei jüngeren
Geschwister den großen Durchbruch schaffen, braucht man eben noch viel
Feinschliff. Den gibt es nur von Spitzen-Lehrern, und die sind wiederum
sehr teuer.
©
www.rundschau-online.de (Tim Farin, 22.November 2002)
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