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Genscher beeindruckt 500 CJD-Schüler
und
-Mitarbeiter bei seinem Besuch im CJD Königswinter
Die Koordinatorin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Astrid
Karres, hatte eingeladen und Hans-Dietrich Genscher war dieser Einladung
heute gefolgt. Sie begrüßte den prominenten Gast in der Schulaula,
begleitet von Beifallstürmen des Publikums unter dem neben der Schulleitung,
CJD-Mitarbeitern, Eltern und Schülern der Stufen 10 bis 13 auch die
Königswinterer Politprominenz zugegen war:
Heute ist ein ganz besonderer Tag in unserer Schulgeschichte, den
wir mit Spannung erwartet haben, denn wir haben einen sehr prominenten
und eindrucksvollen Menschen zu Gast. Er hat die letzten 30 Jahre der
deutschen Geschichte ganz entscheidend mitgeprägt, er ist der dienstälteste
Außenminister eines demokratisch regierten Landes und war 23 Jahre
lang in Regierungsverantwortung als Innenminister, Außenminister
und Vizekanzler unter den Bundeskanzlern Helmut Schmidt und Helmut Kohl.
- Die Rede ist von Hans-Dietrich Genscher, der die hier anwesenden Erwachsenen
seit Kindertagen in den Medien begleitet hat.
Der Chefredakteur des Bonner General-Anzeigers, Joachim Westhoff, hatte
sich bereit erklärt, das Gespräch zu führen und zu moderieren.
Er eröffnete das Gespräch mit der Beschreibung der Vorgänge
in der Prager Botschaft 1989 und fragte Genscher wie er zur Deutschen
Einheit stehe. Das war die Erfüllung aller meiner Träume,
so Genscher, denn seit dem Mauerbau trieb ihn die Frage um, Was
tun wir, damit Deutschland wiedervereinigt wird. Darum bin ich in die
Politik gegangen.
Damit die Schülerinnen und Schüler die einmalige Chance ausgiebig
nutzen konnten, diesen Weltpolitiker alles zu fragen, was sie interessiert,
eröffnete der erfahrene Journalist, der Herrn Genscher schon auf
vielen Auslandsreisen begleitet hatte, kurz darauf die offene Fragerunde.
Knapp zwei Stunden stellten Schülerinnen und Schüler Fragen
zu unterschiedlichen Lebensphasen Genschers. Angefangen bei seiner Schulzeit
in der ehemaligen DDR, über die wichtigsten politischen Entscheidungen
seines Lebens bis hin zur Beurteilung der aktuellen Politik der USA und
deren Hegemonie- Bestrebungen. Von Interesse war auch Genschers Meinung
zur Europapolitik, dem Beitritt der Türkei in die Europäische
Gemeinschaft, der Rolle Chinas als aufstrebende Industriemacht und Indiens
als bevölkerungsreichstes Land der Welt und die Verantwortung der
Europäer für Afrika und Afganistan.
Auf die Frage der Zehntklässlerin Ramona Raabe, was seines Erachtens
das Wertvollste sei, was man mit ins Lebens nehmen könne
, antwortete Genscher: eine herausragende Ausbildung! Die Zukunft
eines Landes wird davon bestimmt werden, wie die Bildungschancen für
junge Menschen sind.
Er selber stand nach seiner Flucht aus der DDR 1952 lediglich mit
einem Pappkoffer und 40 Mark, aber mit einem Abitur und einem juristischen
Studium da. Das war mein wertvollstes Kapital - mein vorher
erworbenes Wissen. Dies sei heute noch wichtiger als zu seiner Zeit,
da heutzutage junge Schulabgänger im Wettbewerb mit Jahrgangskollegen
auf der ganzen Welt stünden.
Bemerkenswert fand Genscher, dass sich viele Fragen der Schülerinnen
und Schüler mit innerdeutsche Fragen und Rechtsstaatlichkeit befassten.
Das zeuge von einem Interesse für die eigene Zukunft, was sehr gesund
sei. Er appellierte an die Jugendlichen, sich mit Ideen für die künftige
Weltordnung einzubringen.
Am Ende der Veranstaltung wollte der Applaus nicht enden und das 500 Menschen
starke Auditorium bedankte sich für das Kommen des großen Politikers
mit Standing-Ovations. Astrid Karres bedankte sich im Namen der Schulleitung
bei dem politischen Schwergewicht Hans-Dietrich Genscher mit einem Druck
des Künstlers Andreas Felger mit dem Titel Brücken bauen.
Dies passt in doppelter Hinsicht gut, so Karres, weil Sie, Herr
Genscher, während ihrer politischen Arbeit zeitlebens diplomatische
Brücken im In- und Ausland gebaut haben und wir mit den Veranstaltungen
im Rahmen unseres Jugenddorfprogramms und der CJD-Pädagogik auch
Brücken schlagen wollen zur Politik, zur Wirtschaft, anderen Kulturen
und Religionen. Auch über die gelbe-blaue CJD-Krawatte, die er überreicht
bekam als Ergänzung oder Alternative zu seinem Markenzeichen,
dem gelben Pullunder, den er auch heute trug, freute er sich und
verkündete schmunzelnd, dass er gleich gesehen hätte, als er
diese Einrichtung betrat, dass der Laden einen guten Geschmack
habe. Sprach`s und verschwand bald darauf , auch mit bärigen"
Bildergrüßen der Fünfklässler, die auf Genschers
Gummibärenleidenschaft Bezug nahmen, begleitet von einer großen
Menschentraube, in seiner silbergrauen Limosine.
Astrid Karres
Bericht
der Bonner Rundschau vom 11. Dezember 2007
Bericht
des Generalanzeiger Bonn vom 8. Dezember 2007
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