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Ruth Hieronymi spricht mit CJD-Schülem
über die Europäische Union. Die Abgeordnete lädt die Neuntklässler
nach Brüssel ein, wo sie sieh aus erster Hand mformieren können
Es war ihr anzumerken: Die Europa-Parlamentarierin Ruth
Hieronymi war am Samstagmorgen wahrlich positiv überrascht, als sie
mit Jugendlichen der Jugenddorf-Christophorusschule (CJD) in Königswinter
sprach. Denn: Wenn man mit den Bürgern spricht, hört man
viele sehr kritische Positionen zur EU." Etwas anderes aber habe
sie bei den Schülern beobachtet. Deren Haltung zur EU sei eine
positive Stellungnahme über das, was. man von Europa erwartet und
erhofft", sagte die Politikerin.
Zwei Tage lang hatten der Differenzierungskurs Politik/Wirtschaft"
der Jahrgangsstufe 9 c/d/e und die Arbeitsgemeinschart Kinder- und
Menschenrechte" des CJD eine eigene Verfassung für Europa entworfen.
Angespornt durch die realen Verhandlungen um ein solches Dokument im Brüsseler
EU-Konvent, versuchten sich die Schüler unter Leitung des Politik-Koordinators
Wilhelm Feldkötter an einem eigenen Papier. Es sollte Rechte und
ihstitutionellen Aufbau der Union zukunftsweisend festlegen und beschreiben.
Zum Abschluss des Projekts war Ruth Hieronymi zu Gast, diskutierte den
CJD-Verfassungs-Entwurf und beantwortete allerlei Fragen an eine leibhaftige
Parlamentarierin.
Zunächst wohnte sie jedoch der Ab-schluss-Abstimmung bei: Die Schüler
hatten sich in kleinen Arbeitsgruppen mit inhaltlichen Aspekten beschäftigt.
Nun hatten sie Vorschläge für Verfassungsartikel gemacht. Diese
mussten durch die Mehrheit angenommen werden. Herausgekommen ist ein achtseitiges
Dokument, wovon Hieronymi ein unterschriebenes Exemplar mitnahm.
Darin fordern die Schüler beispielsweise die weitere Eigenständigkeit
der Mitgliedsstaaten, ein einheitliches Schulsystem, einen starken Rang
für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen, Geschlechterquoten
im EU-Parlament sowie die Schaffung eines EU-Außenminister-Postens.
Hieronymi lobte diese inhaltliche Auseinandersetzung mit der Zukunft Europas:
Die Initiative ist hervorragend. Da sind junge Leute, die wollen
genau das Europa, an dem wir im Europäischen Parlament auch arbeiten",
lobte sie.
Viele inhaltliche. Forderungen in dem Schüler-Entwurf deckten sich
mit tatsächlichen Artikeln des EU-Konvents, in einigen Punkten widersprach
Hieronymi aber den Schülern auch. So hatten sich die Schüler
gegen eine freie Wahl des Wohnsitzes für alle: EU-Bürger m älIenJ
Mitgliedstaaten ausgesprochen: Dies geht natürlich hinter das bestehende
Niveau zurück, das die Europäische Union, mit ihren bekannten
Freiheiten seit Einführung des gemeinsamen Binnenmarktes den Einwohnern
garantiert. Wir haben Angst gehabt, dass sich die Kulturen in Zukunft
zu sehr vermischen", begründete eine Schülerin das Votum.
Doch Ruth Hieronymi nannte ein Gegenargument: Wenn die ärmeren
Staaten erst Mitglied in der EU sind, dann haben die Menschen eine Perspektive-
und es gibt keine nennenswerten Wanderbewegungen in die reicheren Länder
mehr.
Schüler wollten aber auch andere Dinge von der Politikerin wissen:
Was macht man als Europa-Parlamentarierin? Gibt es dort ebenfalls Parteien
- ähnlich wie im Bundestag? Halt sie als Frau eine, Quotenlösung
für angemessen? Und: Wie weit wird Europa noch zusammenwachsen?"
Eine Frage, auf die auch die Expertin nur schwer eine Antwort geben kann.
Hieronymi weiß: Je größer die EU wird, desto größer
wird auch die Skepsis." Umso besser also, dass junge Menschen der
EU offen gegenübertreten. Um das noch weiter zu befördern, lud
Hieronymi die Teilnehmer nach Brüssel ein. Dort werden sie demnächst
weitere europapolitische Themen diskutieren und sich aus erster Hand über
die EU informieren.
Tim Farin
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Politik hautnah
Vom 4. bis zum 5. Juli trafen sich in der Bibliothek des
CJD Gymnasiums in Königswinter Schüler, zum Teil aus dem Politik/Wirtschaft-Kurs
der Klassen 9c,d,e unter der Leitung von Herrn Feldkötter, um gemeinsam
eine Verfassung für Europa zu entwerfen.
Zuerst formulierten wir gemeinsame Leitfragen, die dann
in Kleingruppen von je etwa vier Personen in Forderungen für die
zukünftige EU umgewandelt wurden, d.h. innerhalb dieser Kleingruppen
diskutierten wir über die Fragen und entschieden dann per Abstimmung,
ob diese Aspekte in einer zukünftigen EU realisierbar wären
und ob es Vorteile gäbe wenn dies in der EU verändert würde.
So wurde zum Beispiel aus der Frage "Sollte es einen gemeinsamen
EU-Außenminister geben?" durch Abstimmung innerhalb der Gruppe
die Forderung: "Wir fordern einen gemeinsamen EU-Außenminister".
Als alle Forderungen formuliert waren, stimmten wir in der Gruppe über
Annahme oder Ablehnung einer Forderung ab. Man konnte dafür stimmen,
dagegen oder sich enthalten. So wurde über den Inhalt der Verfassung
entschieden, auch hier setzte sich die Mehrheit durch. Die meisten Entscheidungen
fielen eindeutig dafür oder dagegen aus - jedoch gab es auch knappe
Ergebnisse, über die wir noch längere Zeit debattierten. Nachdem
so der Inhalt der Verfassung feststand, setzten sich erneut Kleingruppen
zusammen, um diese "Rohfassung" auszuformulieren.
Am nächsten Tag trafen wir uns bereits früh morgens
erneut in der Bibliothek, um diese handschriftlich festgehaltene Verfassung
nun auf den Computer übertragen. Alle freuten sich bereits auf den
bevorstehenden Besuch von Frau Hironymi - einem Mitglied des EU-Parlaments,
die sich den Samstag frei nahm, um mit den Schülern ihre selbst geschriebene
Verfassung durchzuarbeiten. Als sie dann eintraf, merkte man ihr wirklich
an, welche Freude es ihr machte, mit den Schülern zu sprechen. Jeder
einzelne Punkt wurde durchgearbeitet und bei besonders kritischen Forderungen
konnte die Expertin zu Rate gezogen werden wie z.B. bei der Frage, ob
es ein gemeinsames Bildungssystem geben sollte, was Schüler mit der
knappen Mehrheit der Stimmen forderten, Frau Hironymi jedoch ablehnte.
Die Schüler hatten die Möglichkeit, Fragen zu stellen, wie:
Was ist eigentlich ihre Aufgabe? Oder: Wie wird ihrer Meinung nach die
zukünftige EU aussehen?
In ihren Abschlussworten betonte Frau Hironymi noch einmal,
für wie wichtig sie es hält, dass sich gerade Schüler in
diesem Alter mit der EU beschäftigen und wie gut es wäre, dass
Schüler sich so positiv der EU gegenüber äußern.
Sie erzählte auch, dass diese Verfassung mit der wirklichen in vielen
Punkten übereinstimme. Sie war so begeistert, dass sie die gesamten
Workshop-Teilnehmer zu einem Besuch in Brüssel einlud. Nach dem Besuch
von Frau Hironymi hatten die Schüler noch die Möglichkeit, sich
viele Informationsmaterialien über die EU mitzunehmen.
Alles in allem war es ein sehr tolles, informatives Wochenende mit einer
super Atmosphäre, die besonders vom Veranstalter Herrn Feldkötter
ausging - vielen Dank und großes Lob meinerseits.
Linda Simon, 10e
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