Zeugnisausgabe 2010 am 25. Juni


E n t l a s s u n g s f e i e r

der Abiturienten und Absolventen der Realschule

am Freitag, 25. Juni 2010 17.00 Uhr


P R O G R A M M

Schulband unter der Leitungvon Jacek Panek
The Beginning of the End /Blues Brothers 2000 Funky Nassau
BEGRÜßUNG

Dr. Johannes Heide, OStD, Schulleiter

GRUßWORT

Peter Wirtz, Bürgermeister der Stadt Königswinter

Schulband unter der Leitung von Jacek Panek Too late Carole King
REDEN

Christoph Heimbach, StD, für das Kollegium

Cedric Maderer, Jahrgangsstufe 13, für die Schülerschaft

Dr. Maren Stauber-Damann, für die Eltern der Jahrgangstufe 13

Schulband unter der Leitung von Jacek Panek She's not there Carlos Santana
AUSZEICHNUNGEN

Wilhelm Meyer, StD, stellv. Schulleiter und Oberstufenkoordinator

Nazek Raouf, Vorsitzende der Schulpflegschaft

Schulband unter der Leitung von Jacek Panek Don't let me be lonely (tonight) James Taylor
ZEUGNISVERTEILUNG

Dr. Johannes Heide, OStD, Schulleiter

Wilhelm Meyer, StD, stellv. Schulleiter und Oberstufenkoordinator
SEKTEMPFANG

Solisten: Joy Masala, Karina Claus

Die Abiturienten

Vitor Abrantes Ferreira, Maximilian Bahn, Mathias Baltes, Mimoza Beciri, Jörn Bertram, Moritz Brähler, Richard Wilhelm Braun, Jörn Brauner, Martin Bregulla, Martin Thomas Brückner, Karina Claus, Johannes Cuhls, Lennart Damann, Simon Niklas Dax, Thilo Dicke, Lisa Dittmann, Christopher Dohne, Adrian Dombeck, Linda Echtermeyer, Ann Christine Eckgold, Justus Eich, Victoria Engel, Hannah Esser, Emely Sophia Eulig, Julia Euskirchen, Lucille Ewert, Maximilian Faltinat, Norina Isabell Fernando, Johanna-Sophie Friese, Johanna Fröhlich, Lena Geuenich, Melanie Geuking, Sophia Gies, Jan Niklas Gosse, Patrick Günzel, Lara Lena Heinemann, Anna Hennig, Simone Hermes, Georg Hesse, Martin Heßler, Sebastian Hey, Clara Franziska Hoyer, Antonia Sophie Hübenthal, Fabienne Humm, David Immenkamp, Vincent Jäger, Anna Kaminski, Andreas Kentrup, Kevin Klinge, Fabian Klos, Anika Knoll, Selina Kramer, Dorothee Kranz, Nikola Marietta Krause, Jan-Frederic Kuhlmann, Norina Kurth,Marcel Christian Langenbach, Peter Lerch, Maximiliane Leuschner, Max Liao, Timo Lipka, Abigael Löwe, Cedric Maderer, Annika Mann, Nina Martschini, Lukas Melzer, Constantin Mense, Timo Mertens, Anna Lisa Metzen, Senik Nikoyan, Laura-Cristina Nitsche, Sophie Katharina Nöthel, Marco Nüchel, Janina Paul, Alina Pfülb, Sandra Pfülb, Greta Pietrzak, Alexander Polke, Sina Pöpelt, Annika Rautenberg, Isabel Romberg, Nadine Saager, Tamara Schirra, Michael Josef Schmitz, Vanessa Schmitz, Felix Schmitz-Justen, Monika Maria Schneider, Ria Schroeder, Hanna Schwarz, Valentin Anton Senft, Stefan Seul, Tamara Siebert, Sarah Stahlmann, Ines Derya Steenbuck, Britta Stockhausen, Sabrina Stockhausen, Linda Stockmeyer, Daria Taheri, Sascha Thal, Dina Tsakalos, Melanie-Maria Tünsmeyer, Andreas Uhrmacher, Andreas Warncke, Irina Wawer, Jennifer Weber, Fabienne Weihtag, Marcel Wiegard, Friederike Wolff, Sina Zimmermann.

Generalanzeiger Bonn


Zu den Fotos des Abschlussballs Abiturball 2010

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
   
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Liebe Abiturientinnen und Abiturienten,

dies ist Euer Tag. Auf ihn habt Ihr 13 Jahre gewartet und sicher auch hin gearbeitet. Und Ihr habt ihn Euch wahrlich verdient. Darum freuen wir uns von ganzem Herzen mit Euch. Mit Euch gemeinsam wollen wir heute diesen tollen Erfolg, Euer bestandenes Abitur feiern.

Im Namen der gesamten Schulgemeinschaft, der Eltern, Großeltern, Geschwister, Verwandten, Freunde und Bekannten, der Vertreter der Stadt und der im Rat vertretenen Parteien, an ihrer Spitze der erste Bürger unserer Stadt Königswinter, Peter Wirtz, der Freunde und Förderer unserer Schule, der Schülerinnen und Schüler und natürlich des Kollegiums, darf ich Euch herzlich gratulieren.

Alle Schülerinnen und Schüler, die zum Abitur zugelassen waren, haben - wie fast schon Tradition an unserer Schule - das Abitur auch bestanden.

Aber erstmalig seit 1995, unserem ersten Abiturjahrgang, hattet Ihr schon nach der Bekanntgabe der Ergebnisse der schriftlichen Arbeiten das Abitur in der Tasche. Keine Nerven zerfetzenden Bestehensprüfungen, kein gemeinsames Zittern von Schülern, Eltern und Lehrern. Die wenigen Abweichungsprüfungen konnten wir gelassen abwarten. Auch das spricht für Eure Stufe.

Und noch etwas: 42 Abiturientinnen und Abiturienten erhalten ihr Reifezeugnis nachher mit einer eins vor dem Komma. Auch das hatten wir noch nie. Zudem zeichnen wir heute den 1000. Abiturienten an unserer Schule aus.

Aber wir wollen uns nicht an Erfolgsmeldungen ergötzen, sondern eine sehr sympathische Jahrgangsstufe verabschieden. Ihr seid uns in den letzten Jahren ans Herz gewachsen und habt uns mit Eurer ansteckenden Lebensfreude, Eurem nach außen getragenen Optimismus und Eurer Zuversicht, aber auch mit Eurem Einsatz für diese Schule überzeugt. Dafür danke ich Euch. Gerne würden wir Euch bei uns behalten, aber Schule bedeutet Gemeinschaft immer nur auf Zeit. Diese endet heute, spätestens jedoch mit dem Abiturball im Beueler Brückenforum in der kommenden Woche, auf den wir uns schon freuen dürfen..

Noch einmal also: Glückwunsch und Respekt!!! (Drei Ausrufezeichen)

Ihr habt Euch in diesem Jahr für ein besonders schönes, wie ich finde zu Euch passendes Abiturmotto entschieden. Ich möchte es aufgreifen und mit Euch über Eure Träume, Eure Vorstellungen von Eurem weiteren Leben, aber auch über die an Euch gerichteten Erwartungen sprechen.

"California - wir sehen uns auf der Sonnenseite". Viele Generationen junger Menschen vor Euch haben in Kalifornien ihr Land der Träume gesehen, es zum Synonym für Aufbruch und Freiheit verklärt. "It never rains in Southern California" von Albert Hammond aus dem Jahr 1972 ist nur ein Beispiel aus der Rock- und Popgeschichte, in dem der American oder Californian Dream of Life nur scheinbar romantisiert wird. Wenn man sich nämlich den Songtext, aber auch die etwa der Eagles, von Led Zeppelin oder Lenny Kravitz einmal genauer ansieht, dann wird auch eine andere Sicht der Dinge deutlich. Träume auf der einen, der Blick für die Realität auf der anderen Seite gehören zusammen. Der Mensch braucht Träume zum Leben, aber er darf sich nicht darin verlieren.

John Lennon hat in seinem letzten Album mit dem schönen und für heute so passendem Titel "Double Fantasy, erschienen drei Wochen vor seinem gewaltsamen Tod, einen Song für seinen kleinen Sohn Sean geschrieben "Beautiful boy". Darin findet sich eine wunderschöne Zeile zu den menschlichen Träumen.

"Life is what happens to you, while you are busy making other plans."

Dennoch: Träume versperren nicht den notwendigen Blick für das reale Leben, sondern sie sind manchmal die unbedingte Voraussetzung für wichtige Veränderungen in unserem Leben und in dem der Gesellschaft.

Mir fällt in diesem Zusammenhang die 68er Generation ein. Ich habe sie bewusst nicht miterlebt, wohl aber die Folgen immer wieder gespürt. Die einen haben diese Zeit verklärt, die anderen sie verteufelt. Sicher aber ist: Wie kaum eine andere Generation waren die Jugendlichen damals auf die Straßen, ja auf die Barrikaden gegangen, um sich für eine bessere, humanere und freiheitlichere Welt einzusetzen, und dies weltweit. In den USA fanden die liberalen Träume 1968 ein zunächst jähes Ende, nach der Ermordung des schwarzen Bürgerrechtlers Martin Luther King und des Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, Robert Kennedy. Beide haben den Traum von einer friedlicheren Welt symbolisiert. Auch mit Blick auf Kings wichtigste Rede, "I have a dream", gehalten 1963 vor dem Lincoln Memorial in Washington, hat Kennedy in seiner Präsidentschaftskampagne 1968 immer wieder eine Zeile aus einer Parabel des irischen Dramatikers George Bernhard Shaw paraphrasiert:

Some people see things as they are and say, "why?".

I dream of things that never were and say, "why not?".

Fast wie ein Vermächtnis für uns alle hat er hinzugefügt:

"If not us, who? If not now, when?"

Ihr seid, liebe Abiturientinnen und Abiturienten, die Generation, die in den kommenden Jahren unser aller Geschick maßgeblich beeinflussen, vielleicht bestimmen wird. Ihr seid aufgefordert, Euch einzumischen, Eure Stimme zu erheben für Veränderungen, die notwendig sind. Eure Träume, Eure Vorstellungen sollen, ja sie müssen Eingang finden in die politische Realität.

"Wer ja sagt zur Freiheit" so sagt Joachim Gauck,

"wer sie nicht nur will, sondern auch lebt, dem fließen dann auch Kräfte zu, die ihn und die Welt verändern lassen." Und er fügt hinzu."Die Freiheit der Erwachsenen heißt Verantwortung".

Dass Ihr bereit seid, diese Verantwortung zu übernehmen, davon sind wir alle überzeugt. Gerade im letzten Jahr, vielleicht auch ein wenig unterstützt durch Euren Umzug ins AZK, Eure eigene "Schulwelt", habt Ihr Euch zunehmend von uns emanzipiert, seid selbständiger und unabhängiger, eben erwachsen geworden. Schade deshalb, dass künftigen Generationen von Schülern dieses so wichtige 13. Schuljahr bald nicht mehr vergönnt sein wird.

Und wir Lehrer? Haben wir dazu den notwendigen Beitrag geleistet? Haben wir Euch zu kritischen Staatsbürgern erzogen? Haben wir Widerspruch nicht nur ausgehalten, sondern provoziert, herausgefordert? Habt Ihr bei uns gelernt, Dinge nicht einfach für wahr zu nehmen, sondern sie zu hinterfragen? Haben wir Euch zugehört, oder doch eher selbstverliebt doziert?

Der englische Philosoph und Wissenschaftstheoretiker Sir Karl Popper hat sich einmal treffend zum Thema Schule, zur Diskrepanz von Traum und Wirklichkeit geäußert:

"Wenn ich an die Zukunft dachte, träumte ich davon, eines Tages eine Schule zu gründen, in der junge Menschen lernen könnten, ohne sich zu langweilen; in der sie angeregt würden, Probleme aufzuwerfen und zu diskutieren; eine Schule in der sie nicht gezwungen wären, unverlangte Antworten auf ungestellte Fragen zu hören; in der man nicht studierte, um Prüfungen zu bestehen, sondern um etwas zu lernen!"

Wenn man diesen Text googelt, dann landet man zuerst auf der Seite eines Anarchieforums. Probieren Sie es einmal aus. Dort ist das Zitat top gesetzt. Der Traum von einer anderen, einer besseren Schule hat also etwas Anarchisches? Der Gedanke, dass Lehrer im Grunde Anarchisten sind, oder doch sein müssten, hat etwas Bestechendes. In jedem Fall aber müssen Lehrer Idealisten sein. Denn anders können sie diesen schwierigen, anspruchsvollen Beruf zum Wohle ihrer Schüler nicht ausüben. Leider fühlen manche Lehrer nach vielen Jahren Schuldienst ihr Ideale verraten, durch eine vermeintlich bornierte Schulbürokratie, durch Schüler und Eltern, die Ihre Bemühungen nicht verstehen wollen, und durch Kollegen und Schulleitungen, die sie scheinbar nicht unterstützen. Enttäuschungen, Verhärtungen, mitunter scharfzüngiger Zynismus können dann die Folge sein.

Das ist mehr als schade, denn wir alle, Schüler, Lehrer und Eltern, wir haben ein gemeinsames Ziel. Wir wollen eine Schule, in der alle Schülerinnen und Schüler begabungsgerecht ausgebildet und für ihr Leben außerhalb der "besonderen" Welt Schule stark gemacht werden.

"Die Sachen klären, die Menschen stärken", das muss immer das Ziel unseres gemeinsamen Bildungs- und Erziehungsauftrags sein.

Natürlich leben wir nicht in der Hybris, unsere Schule verkörpere all die Ideale, von denen Karl Popper sprach. Auch bei uns gibt es Leerlauf, hoffentlich aber wenig Langeweile, sicherlich aber kein Gegeneinander. In jedem Fall sind wir eine Schule, in der wir gemeinsam den Weg zu einer besseren und gerechteren Schulwirklichkeit gehen. Auch wir haben diesen Traum, nicht weil wir Phantasten sind, sondern weil Veränderung, orientiert an unseren Idealen, immer Not tut.

Ich komme noch einmal zurück auf Euer Abiturmotto. "Cabifornia - Wir sehen uns auf der Sonnenseite". Es lässt zumindest zwei Interpretationen zu. Seht Ihr Euch schon auf der Sonnenseite des Lebens, privilegiert durch Euer Elternhaus, durch die Wahl der Schule?

Oder seid Ihr auf dem Weg, wollt Ihr auf die Sonnenseite des Lebens?

Die Gruppe "Ich und Ich" hat ein Album mit dem schönen Titel "Gute Reise" herausgebracht. Auch das passt für eine Entlassfeier. Darin findet sich ein wunderschönes Lied: "Einer von Zweien". In schulische Sprache übersetzt geht es hier um Chancengerechtigkeit und um die so ungleichen Startmöglichkeiten.

In der dritten Strophe heißt es:

"Einer von Zweien grübelt zu viel,

einer von Zweien hat kein gerades Ziel,

einer von Zweien trägt eine Last mit sich rum,

und der Andere,

der Andere kann nichts dafür,

für ihn öffnet sich jede Tür"

Wir wünschen Euch, dass sich für Euch alle Türen öffnen, dass Ihr den geraden Weg auf die Sonnenseite des Lebens findet, dass es, um den Song Albert Hammonds noch einmal aufzunehmen, niemals, oder doch nicht soviel regnet in Eurem Leben. Aber verliert dabei nicht den Blick für den Einen, dem es schwerer fällt, sich zurecht zu finden, für den ihr die Tür öffnen könnt.

Für Euch alle gilt: wir würden uns über die Maßen freuen, wenn Ihr ab und an einen Umweg nehmt und uns besucht, uns Teil haben lasst auf Eurem Weg auf die Sonnenseite.

So wünsche ich Euch denn von ganzem Herzen den Euren unbedingten Begabungen entsprechenden Erfolg in Studium, Ausbildung und Beruf,

Glück, Zufriedenheit und Gesundheit,

und auf allen Euren Wegen, gerade wenn sie nicht direkt auf die Sonnenseite des Lebens führen, auf den Umwegen und den Sackgassen stets auch Gottes schützenden Segen.

Macht es gut!!

 

Fotos: Tobias Mayer