Das Renaissance-Ensemble

Helden in Strumpfhosen

Viele Monate nach den letzten Auftritten des Renaissance-Ensembles des CJD klingt nun endlich wieder Renaissancemusik in der Christophorusschule Königswinter! Unter der Leitung von Bernd-Ulrich Schaefer (Erdkunde, Biologie & Mathe) fand sich in den letzten Wochen des vergangenen Schuljahres ein harter Kern von begeisterten Musikerinnen zusammen und präsentierte für viele überraschend am CJD-Sommerfest die ersten vier einstudierten neuen Werke. Ermutigt durch den Beifall und verstärkt durch neue Mitglieder geht es nun mit Schwung ins nächste Schuljahr.

Die älteren Renaissanceinstrumente, wie Krummhörner, Hörnchen, Zink, etc. werden von der Schule zur Verfügung gestellt, weitere Instrumente wie Klarinetten, Querflöten, Geigen, Schlaginstrumente, Cembalo und Klavier spielen eine große Rolle. Viele Stücke (zum Beispiel von Henry VIII.) werden von Gesangsstimmen (Sopran und Bass) unterstrichen. Das Ensemble tritt in alten, mittelalterlichen Kostümen auf, die in Verbindung mit der Musik das vielen bekannte, ansprechende Renaissance-Ambiente erzeugen.

Wir wollen uns auch nicht nur auf den Musikstil der Renaissance beschränken, sondern sind auch für andere Stücke offen. Mit der Zeit werden wir unser Repertoire vergrößern und freuen uns auf weitere Auftritte, weitere Mitglieder*, Probewochenenden und Renaissancefestivals.

Anna-Lena Heitmüller & Frauke Stenglein

 


Und zur Aufmunterung noch ein lustiges Sauflied
Das Renaissancemusik-Ensemble der CJD-Schule begeistert mit Stücken Heinrichs VIII
In längst vergangene Zeiten führte das Renaissancemusik-Ensemble der Christophorusschule Königswinter jetzt sein Publikum zurück. Die elf begabten Schüler der Klassen acht bis 13 boten in ihren schwarzen, dunkelgrünen und purpurnen Samtkleidern oder Kniehosen einen geradezu königlichen Anblick - passend zu den Liedern von Heinrich VIII. von England, die sie in der katholischen Kirche Ittenbach aufführten.
„Dass Heinrich auch komponiert hat, weiß fast kein Mensch", erklärt der Leiter des Ensembles. „Aber der gruselige Anklang seines Namens ist eine gute Reklame." Das Publikum jedenfalls zeigte sich begeistert. „Die Schüler haben mit Leib und Seele gespielt und den Rhythmus und die Harmonien dieser anspruchsvollen Musik gut herausgearbeitet", lobte Gabriele Schwarz. Unter dem präzisen Dirigat und vom souveränen Spiel des Organisten Peter Höller begleitet, bot das Ensemble die überwiegend düsteren Lieder Heinrichs, wie etwa „Pastime with good company" oder „Alack, alack what shall I do" dar. Renaissance-Trommeln, Hörnchen, Gamben und Krumm-hörner, welchen Bernd-Ulrich Schaefer die typischen schnarrenden Töne entlockte, sorgten für den feierlichen Klang der Musik des grausamen Herrschers.
„Heinrichs Musik ist so kontrovers wie sein Leben. Herzzerreißend, elegisch, aber auch brutal und dann wieder sehr elegant", so Vuletic. Besonders das Lied „Helas madame", das Heinrich für seine geliebte Frau Anne Boleyn schrieb, die er „aus politischen Gründen" hinrichten ließ, rührte die Zuhörer. „Viele Texte sind sehr melancholisch und da fällt es mir auch schwer zu lächeln", sagte die charismatische Sängerin Anna Heitmüller, welche die altenglischen und französischen Texte für ihre 15 Jahre mit großer Sicherheit und erstaunlichem Stimmvolumen vortrug. Zur Aufmunterung spielte das Ensemble als Zugabe „nach all diesen traurigen Stücken noch ein lustiges Sauflied" - gegen den Willen ihres Dirigenten. Aber bei Heinrich lagen Trauer und Trinkgelage schließlich auch nie weit voneinander entfernt.

© www.general-anzeiger-bonn.de (25. Mai 2003, Christine Keusche )


Fotos vom Auftritt in der Bonner Schlosskirche am 15. Juli 2003
   



Auftritte:

Petersberg-Konzert


Was ist oder war die Renaissance ?

In eigentlichen Sinne war die Renaissance ein Zeitalter. Sie löste das Mittelalter ab, das mit seinen religiösen Zwängen, seiner Ungewissheit und Unterdrückung für Angst und Schrecken gesorgt hatte. Die Renaissance war eine Zeit, in der Menschen durch neue individuelle Freiheit  neue Lebensfreude und Selbstbewusstsein entwickelten. Die Lebensfreude drückte sich besonders durch neue schöpferische Künste aus. Darunter befand sich neben der Kunst auch die Musik.

Die Musik in der Renaissance

Die Musik blieb für Ausführende wie Zuhörer angewandte, verflochten in ihre gesellschaftliche und liturgische Funktion. Musikalisch begann der Umbruch in der Chormusik. Die nun entdeckte Mehrstimmigkeit brachte eine Vielzahl neuer Kompositionsmöglichkeiten ein. So wurde im 16. und 17. Jahrhundert das Madrigal zur wichtigsten Gattung, eine volkssprachlich gesungene Lyrik, sehr harmonisch und voller tonmalerischer  Klangeffekte. Madrigalkomödien führten am Anfang des Frühbarock durch Claudio Monteverdi zur ersten Oper "L´Orfeo". Die Vokalpolyphonie wurde schon bald mit Instrumenten unterlegt, wobei diese zunächst nur dem Verlauf der Gesangsstimmen folgten. Erst allmählich emanzipiert sich die Instrumentalmusik, man experimentiert mit neuen Klängen in eigens für sie komponierten Stücken in einer Klangvielfalt, die heute kaum vorstellbar und wohl unübertroffen ist.  

Instrumente der Renaissance

Sämtliche Streichinstrumente, gitarrenähnliche Zupfinstrumente, Cembali, Virginale, Harfen, verschiedene Orgeln, Regale, alle Arten von Blechinstrumenten und Holzblasinstrumenten wie Block- und  Querflöten über Schalmeien bis hin zu Zinken wurden in Instrumentalensembles, wie auch heute üblich, nach Klang- und Instrumentalart gruppiert. Vor allem in der Familie der Holzblasinstrumente vollzog sich eine erstaunliche Entwicklung. Erfindungsfreudige Instrumentenbauer schöpften nie zuvor gesehene Instrumente mit einer riesigen Spanne an Klangfarben. Solche Instrumente waren z.B. Krummhorn, Rauschpfeife, Kortolt und Ranket, die heute so gut wie ausgestorben sind. Diese Vielfalt der Instrumente macht den so interessanten Klangcharakter aus, ergibt den „typischen Sound" der Renaissancemusik.

Einige wenige Schriften und Instrumentalbeschreibungen ermöglichen uns heute eine ungefähre Vorstellung dieses Vielklangs, der später im Barock seine instrumentale Vollendung erreichte.  

Renaissance-Ensemble (ca. 1997):


AG-Leiter: Bernd Ulrich Schaefer

Fotos: Tobias Mayer